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Eine kurze Geschichte des Sozialstaates

3. November 2017

Der Sozialstaat, an dessen Vorteile wir uns gerne gewöhnt haben, ist eine relativ neue Erfindung der Menschheit.

Im 19. Jahrhundert, vor nicht einmal 150 Jahren, gab es keine allgemeine Krankenversicherung, vom Luxus einer Arbeitslosen-, Unfall- oder Pensionsversicherung ganz zu schweigen.

1845 genehmigte (!) Preußen die Errichtung von Krankenkassen für Arbeiter. Österreich brauchte etwas länger, erst 1889 kam es zu einer Krankenversicherung für Arbeiter und Angestellte

Der Sozialstaat, wie wir ihn heute kennen – und häufig viel zu wenig schätzen – wurde erst nach dem 2. Weltkrieg konsequent aufgebaut. Ziel war und ist es, alle Staatsangehörigen vor Not durch Krankheit und Arbeitslosigkeit zu schützen und älteren Menschen eine Pension zu sichern, die ihnen ein Leben ohne Not in der Gemeinschaft ermöglicht.

Der wirtschaftliche Aufschwung nach 1945 erlaubte es nicht nur, die sozialen Ausgaben für zum Beispiel Schulen, Spitäler oder öffentliche Verkehrsmittel zu erhöhen, sondern auch die die 5-Tage-Woche einzuführen.

In der „guten“ alten Monarchie wurde 1842 die Kinderarbeit unter neun Jahren verboten. Davor waren selbst Siebenjährige im Produktionsprozess tätig. Neun- bis Zwölfjährige „durften“ nicht mehr als zehn Stunden täglich arbeiten, Jugendliche bis 16 Jahre immerhin schon täglich 12 Stunden. Diese Regelung galt unter dem Kaiser als Fortschritt!

1969 wurde die wöchentliche Arbeitszeit mit 40 Stunden festgelegt. Wir sind gegen Krankheit, Arbeitslosigkeit und Unfälle geschützt und Männer erhalten (derzeit) ab 65, Frauen ab 60 Jahren eine Rente bzw. Pension.

Für Menschen des 19. Jahrhunderts leben wir in einer nahezu paradiesischen Welt, aber auch in der Gegenwart beneiden uns andere Länder um unsere soziale Sicherheit.

Steuern – wofür?

Die Ausgaben des Staates für Soziales liegen derzeit bei etwa 30 Prozent des Bruttosozialproduktes.

In aller Kürze ist das Bruttosozialprodukt (auch Bruttonationaleinkommen genannt) das gesamte Einkommen eines Landes, das Inländer erarbeiten, gleichgültig, ob im In- oder Ausland.

Das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, beinhaltet hingegen alle im Inland erwirtschafteten Einkommen, gleichgültig, ob von In– oder Ausländer/innen erarbeitet.

Von solchen feinsinnigen Unterscheidungen der Volkswirtschaft abgesehen, die im Bereich Wirtschaft unterrichtet werden, geht es hier um einen einigermaßen verständlichen Überblick über die Ausgaben des Staates.

30 Prozent klingen viel, tatsächlich liegt Österreich damit zwar weltweit im Spitzenfeld, im europäischen Vergleich allerdings nur im Mittelfeld.

Verteilung der Sozialausgaben

Der Großteil der Sozialausgaben – in Summe sind es etwa 100 Milliarden Euro – betrifft Pensionszahlungen, nämlich 44 Prozent. Dazu kommen etwa 26 Prozent für die Krankheits- und Gesundheitsversorgung. In Summe also 70 Prozent.

Die Ausgaben für Mindestsicherung, ein bedeutendes Thema in Medien und Parteien, betragen dagegen bloß 0,7 Prozent der Sozialausgaben! An sich ein kleiner Betrag, die Aufregung darüber ist leider groß.

Emmerich Tálos, der Katholische Theologie und Geschichte in Wien studierte, später eine Professur an der Universität Wien hatte und 2009 emeritierte:
„Viele, die einen Abbau der Mindestsicherung fordern, haben keine Ahnung, mit wie wenig Geld Menschen gezwungen sind zu überleben.“

Von diesem Problem abgesehen, das unsere Gesellschaft in Zukunft wohl beschäftigen wird, sind im Budget für Krankheit und Gesundheitsversorgung die oben angeführten 26 Prozent der Sozialausgaben vorgesehen, also etwa 26 Milliarden Euro.

Aus diesem Topf werden auch jene Sozialberufe bezahlt, von denen in dieser Ausgabe berichtet wird.

Welche Sozialberufe und Ausbildungen dazu gibt es in Österreich?

Der Versuch eines Überblicks fällt nicht leicht!

 

Weitere Informationen

 

Ideen, fächerübergreifend

  • Sozialausgaben nach Themen aufgliedern und Grafiken erstellen
  • Welche Probleme ergeben sich in Zukunft für den Sozialstaat?
  • Wie kann die Einkommensverteilung in Österreich grafisch dargestellt werden?

 

Interessant für

  • Globalwirtschaft, Wirtschaftsgeografie und Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Projektmanagement, Wirtschaft; Angewandte Mathematik, Mathematik, Naturwissenschaften; Geschichte und politische Bildung, Gesellschaft, Kunst und Kultur;

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Tags: 06 Qualität