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Der Donauwalzer – 150 Jahre alt

3. November 2017


Heute wollen wir das Jubiläum eines Musikstückes feiern und selbstverständlich auch seinen Schöpfer: Vor 150 Jahren wurde der Donauwalzer uraufgeführt. Und zwar, was überraschen mag, vom „Wiener Männergesangsverein“.

Dieser Walzer, der als heimliche Hymne Österreichs gilt, wurde nämlich für diesen Männerchor geschrieben.

Johann Strauß Sohn, der in einem permanenten Streit mit seinem Vater lebte, ließ sich für die Komposition ziemlich Zeit. Eigentlich hatte er dem Männergesangsverein schon lange ein Stück versprochen, allerdings hielten ihn andere Verpflichtungen davon ab.

1867 aber war es endlich so weit, der Walzer konnte, die Endfassung angeblich in großer Eile hingekritzelt, uraufgeführt werden. Ursprünglich gab es dazu einen satirischen Text von dem Polizeikommissar (ja, wir befinden uns in Wien) Josef Weyl, auch der Anlass entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Wegen des verlorenen Krieges gegen Preußen verzichtete der Wiener Männergesangsverein nämlich auf den traditionellen „Narrenabend“ und veranstaltete eine Faschingsliedertafel.

Der Unterschied zum traditionellen Narrenabend wird in der Praxis gering gewesen sein, denn nach guter österreichisch-kakanischer Tradition feierte man auch damals, was blieb einem schon übrig, Niederlagen mit einem Fest.

Ob das Werk bei der Uraufführung durchgefallen ist oder nicht, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Jedenfalls ist es auch 150 Jahre nach seiner Geburt ein „Evergreen“ geblieben.

Allerdings hat die wunderbare Harmonie, die in vielen Stücken von Johann Strauß Sohn durchklingt, wenig mit dessen Lebenswirklichkeit zu tun. Er lebte nämlich in ständigem Zwist mit seinem Vater. Ursache war wohl die Tatsache, dass Johann Strauß Vater sexuell sehr aktiv war. Er zeugte nicht nur mit seiner ihm angetrauten Gattin Kinder, sondern auch acht mit seiner späteren Lebensgefährtin Emilie Trampusch.

Kein Wunder, dass die verlassene Ehefrau ihre Kinder zu Konkurrenten des Vaters ausersehen hatte. Besonders geeignet war dafür Johann Strauß Sohn, der nicht nur den gleichen Namen trug, sondern auch für die Rolle als „Vatermörder“ besonders geeignet war. Er beherrschte offenbar nicht nur die Kunst des Komponierens, sondern auch die der feinen Nadelstiche. So wurde die Beifügung „Sohn“ auf Plakaten angeblich immer kleiner geschrieben, bis sie nahezu verschwand. Der Sohn verdrängte den Vater.

Gesellschaft und Musik

Auch politisch folgte ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt.

Während Vater Strauß seinen Sohn ständig behinderte, wo immer es ging, und er ein Anhänger der Monarchie war – für den reaktionären Josef Wenzel Radetzky schrieb er den berühmten „Radetzkymarsch“ –, wendete sich der Sohn an die ethnischen Minderheiten und Randgruppen in Wien mit Stücken wie „Freiheitslieder“ und „Revolutions-Marsch“.

Einen Tag nach der Inthronisation von Kaiser Franz Joseph ließ er beispielsweise in einem Konzert die „Marseillese“ spielen, was heute wohl einem Auftritt der Pussy Riot beim Neujahrskonzert gleichkommt. Dass er danach behauptete, nur einem Wunsch des Publikums nachgekommen zu sein, ist menschlich durchaus zu verstehen, vor allem als Österreicher, also einem Menschen, der Konflikten gerne aus dem Weg geht.

Johann Strauß Sohn, privat

Das Privatleben des Schöpfers der inoffiziellen Hymne Österreichs verlief ähnlich turbulent wie das seines Vaters.
1856, er war 31 Jahre alt, suchte er um Erlaubnis für eine Ehe mit der russischen Kaufmannstochter Maria Fränkel an. Sie wurde ihm erteilt, allerdings ließ er die Hochzeit wenige Tage vor dem vereinbarten Termin platzen.

Eine Liebesbeziehung zu einer ebenfalls russischen Aristokratin scheiterte am Veto von deren Eltern.

1862 heiratete er die um sieben Jahre ältere Sängerin Jetty Treffz. Nach ihrem Tod 1878 heiratete er 50 Tage später die um 25 Jahre jüngere Sängerin Lili Dittrich. Die wiederum zog vier Jahre später zum Theaterdirektor Franz Steiner.

Johann Strauß Sohn tröstete sich mit der 31 Jahre jüngeren Witwe Adele Strauß. Weil er nach katholischem Recht nicht geschieden werden konnte, wurde er sächsischer Staatsbürger und trat zum Protestantismus über. Die Hochzeit fand 1887 in Coburg statt.

1899 starb Johann Strauß Sohn, seine Frau Adele – hämisch die „lästige Witwe“ genannt – verwaltete sein Erbe penibel. Sie erreichte sogar die Verlängerung des Schutzrechts für Kompositionen von 30 auf 32 Jahre. Die von ihr gewünschten 50 Jahre gelangen ihr nicht, aber immerhin flossen die Tantiemen zwei Jahre länger an sie und ihre Erben.

Tja, der Donauwalzer hat eine spannende Geschichte – ein weites Feld für den Unterricht!

 

Weitere Informationen

Interessant für

  • Deutsch, Sprache und Kommunikation; Musik, Bildnerische Erziehung und kreativer Ausdruck, Geschichte und politische Bildung, Psychologie und Philosophie, Gesellschaft, Kunst und Kultur; Recht, Wirtschaft;

Ideen und Stichworte

  • Die Bedeutung des Textes in der Musik und die politischen Motivationen von Komponisten
  • Historische Entwicklung des Urheberrechts und der Verwertungsrechte (zum Beispiel „Lex Johann Strauß“)

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