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Margarete Schütte-Lihotzky (1897 – 2000)

24. Juni 2017


Eigentlich hätte die – zumindest bei ihren Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen – weltberühmte Architektin 1941 enthauptet werden sollen. Sie war nach Österreich zurückgekehrt, um Widerstand gegen die faschistische Diktatur zu leisten.

Ihr damaliger Hauptwohnsitz war Istanbul, und weil damals die Türkei von Hitler-Deutschland heftig umworben wurde, entging sie der Todesstrafe. Ihr Mann hatte nämlich für sie einen Arbeitsvertrag in Ankara gefälscht.

Allerdings wurde sie zu 15 Jahren Haft verurteilt, das war länger, als das „Tausendjährige Reich“ dauerte. Ende des Weltkriegs wurde sie von der amerikanischen Armee aus dem Gefängnis befreit.

Die Architektin, Stadtplanerin und Widerstandskämpferin gegen die Diktatur der Nazis wird in der Öffentlichkeit vor allem als Erfinderin der „Frankfurter Küche“ genannt. Sie hat diesen Arbeitsplatz revolutioniert, indem sie die Wege der dort Arbeitenden – zu ihrer Zeit waren es meistens Frauen – rationalisierte. Auf dem kleinen Raum, der damals für Küchen im sozialen Wohnbau vorgesehen war, wurden alle wichtigen Geräte integriert: ein ausklappbarer Tisch und ein Bügelbrett, Vorratsschränke mit Schiebetüren, ein höhenverstellbarer Drehstuhl und eine Deckenlampe für gutes Licht. Die nötigen Wege wurden optimiert, die Materialien waren widerstandsfähig und leicht zu reinigen.

Allerdings: „Wenn ich gewusst hätte, dass alle immer nur davon reden, hätte ich diese verdammte Küche nie gebaut!“ Das sagt die damals beinahe 100-Jährige in einem Interview.

Margarete Schütte-Lihotzky war nämlich viel mehr als die Erfinderin dieser Küche. Sie arbeitete als erste ArchitektIN Österreichs in vielen Ländern, vor allem im sozialen Wohnbau, etwa in Rotterdam, Paris, Sofia, Moskau und Istanbul, wo man sie 1939 an die „Académie des Beaux Arts“ berief.

In Wien entwarf sie zwei Reihenhäuser mit je 35 m² Grundfläche – keine Häuser für die Reichen, sondern für einfache Arbeiter. Die Häuser stehen noch heute in Wien, in der Werkbundsiedlung, Woinovichgasse 2 und 4.

Sie entwarf auch einen Kindergartenpavillon, der auf den Ideen von Maria Montessori basierte, mit anderen Worten: Sie arbeitete „fächerübergreifend“, wie es in der heutigen Pädagogik so schön heißt.

Das Jahr 2017, also 120 Jahre nach ihrer Geburt, sollte Anlass sein, fächerübergreifend ihres Lebens und ihrer Häuser zu gedenken.

 

Weitere Informationen

 

Interessant für

  • Deutsch; Sprache und Kommunikation; Gesellschaft, Kunst und Kultur;

 

Ideen und Stichworte

  • Wohnraum: Was kostet das Grundbedürfnis ‚Wohnen‘ in unterschiedlichen Gegenden? – Lokale und internationale Vergleiche anstellen!
  • Welche Tendenzen gibt es im sozialen Wohnbau?
  • Wie viele Quadratmeter Wohnfläche braucht der Mensch?
  • Welche Bedeutung hat der ‚Werkbund‘ für heutige Architektur?

 

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Tags: 06 Qualität