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John Hatties „Sichtbares Lernen”: ein Rückblick

24. Juni 2017


Als vor drei Jahren John Hatties Studie „Sichtbares Lernen” auf Deutsch erschien, hatte diese beeindruckende Publikation, die Auswertung von rund 800 Meta-Analysen, einen gewaltigen Erfolg. Der Autor durfte sein Werk weltweit wie ein Superstar präsentieren und Politikerinnen und Politiker beraten und es gab kaum jemanden aus dem Bildungsbereich und der Bildungspolitik, der damals nicht darüber sprach. Wohl ein Grund für den gewaltigen Erfolg war, dass die Ergebnisse seiner Metastudie so vieldeutig waren und – ähnlich wie ein Rohrschachtest – genügend Raum für unterschiedliche Auslegungen ließen.

Was ist von Hatties Erkenntnissen hängengeblieben? Etwa die gute Nachricht, wie Hattie es formulierte, dass kaum etwas, was ein Lehrer tut, den Schülerinnen und Schülern schadet.

Oder die Erkenntnis, dass der Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen weniger von der Infrastruktur einer Schule, von neuen Methoden oder einzelnen Lehrerinnen und Lehrern abhängt. Dass es jedoch andererseits ganz klar auf die professionelle Haltung einer Lehrerin oder eines Lehrers ankommt, die von Fürsorge, Kontrolle und Klarheit gekennzeichnet sein muss und im dialogischen Unterricht eine Lernumgebung schafft, die Herausforderungen bietet und bei den Lernenden immer wieder Faszination auszulösen vermag.

Faktoren für den schulischen Misserfolg

Hattie zeigte auf, dass sich das Wiederholen eines Schuljahres, ein Schulwechsel und viel Fernsehen besonders negativ auf den Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen auswirken. 229 Studien belegen das nachdrücklich, und Hattie betonte immer wieder, dass das Wiederholen eines Schuljahres erwiesenermaßen nichts bringt, sondern für schlechte Lerner fatal ist und sie noch mehr demotiviert.

Ob übrigens „Jacqueline” oder „Kevin” ein Jahr wiederholen muss, hängt z. B. in Deutschland nicht nur davon ab, ob für ihre Eltern Bildung einen besonderen Wert darstellt oder nicht bzw. ob sie zuhause gefördert werden oder nicht. Sondern es ist vor allem die Region, in der man wohnt, die über das „Durchkommen” entscheidet.

2016 belegte die Studie „Sitzenbleiber-Atlas“, dass die meisten Schülerinnen und Schüler in Bayern und Baden-Württemberg sitzenbleiben, während es in Hamburg und Berlin inzwischen nahezu unmöglich ist, ein Jahr wiederholen zu müssen.

 

Und in diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob dieses nun so gut beforschte Thema nicht auch in Österreich unbedingt wieder aufs Tapet kommen sollte, um das wirkungslose „Sitzenbleiben“ ein und für allemal abzuschaffen!

 

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