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Google, der Datensammler

1. November 2016

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Das ZDF zeigte im Sommer 2016 eine Dokumentation über Google, jene Suchmaschine, der wir das Verb „googeln“ verdanken. Heute suchen wir ja nicht mehr, wir „googeln“ – zumindest, wenn es um Informationen geht.

Das Motto des Konzerns lautet angeblich „Don’t be evil“, übersetzt in etwa: „Sei nicht böse“.

Klingt ja wunderbar, auch wenn Verwaltungsratschef Eric Schmidt laut einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung meinte, er halte das „für die dümmste Regel aller Zeiten“.

Schließlich stehe nirgends, was gut sei und was böse.

Wie dem auch sei, aus einer toll programmierten Suchmaschine wurde ein Konzern, der 2014 einen Marktwert von 394 Milliarden $ hatte.

Und an der Börse seit einiger Zeit unter dem Namen Alphabet gehandelt wird, schließlich hat Google mittlerweile mehr zu bieten als bloß eine Suchmaschine, mit deren Hilfe Persönlichkeitsprofile sehr genau erstellt werden können. Zum Nutzen der Werbeindustrie. Und der Regierung.

Ja, sagt Eric Schmidt, Google sammelt Daten und stellt sie den (US-amerikanischen) Behörden zur Verfügung. Dazu sei Google per Gesetz verpflichtet.

Von der Suchmaschine zum Multi

Google hat sich seit seiner Gründung 1998 zu einem Konzern entwickelt, der selbstfahrende Autos baut, Straßenpläne zur Verfügung stellt, „gratis“ Web-Mail-Adressen (und die Mails liest), Übersetzungsprogramme und einen eigenen Internet-Browser anbietet.

Ganz zu schweigen vom Betriebssystem Android, das auf dem Handy-Markt marktbeherrschend ist.

Das ist noch lange nicht alles – und Google will mehr.

Google Analytics

Ein wunderbares Werkzeug für Betreiber von Websites nennt sich „Google Analytics“. Es lässt sich auf jeder Website installieren und informiert über das Verhalten seiner Besucher/innen.

  • Welche Seiten werden aufgerufen?
  • Wie lange bleiben die Besucher/innen dort?
  • Woher kommen sie?
  • Welchen Browser benutzen sie?
  • Und vieles mehr.

Tolle Informationen für die Betreiber – und für Google.

Denn Google bekommt alle diese Informationen ebenfalls „gratis“ geliefert. Und kann wiederum der Werbeindustrie Daten liefern, von denen Marktforschungsinstitute des vorigen Jahrhunderts nur träumen konnten.

Alternative Suchmaschine: Startpage

Eine Suchmaschine, die laut Aussagen ihrer Betreiber keine Daten speichert, ist Startpage.

Robert Beens, der Geschäftsführer, weist darauf hin, dass es nichts gratis gibt.

Auch im Internet nicht. Kein Unternehmen kann etwas anbieten, das nichts kostet.

Andernfalls wäre es entweder ein Betrüger oder/und würde schnell in Konkurs gehen.

Startpage arbeitet zwar mit Google zusammen, aber es sammelt keine Daten. Es bezahlt Google dafür, dass es die Suchergebnisse von Google übernehmen kann.

Startpage wiederum verdient Geld damit, dass Nutzer/innen auf von Startpage eingeschaltete Werbungen klicken, die aber nicht durch das Verhalten der Benutzer/innen gefiltert werden. Ein offenbar lohnendes Geschäftsmodell auch ohne Datensammlung.

Alternative Mailadresse „startmail“ – leider nicht gratis

Jörg Bauer von startmail.com https://www.startmail.com/ betont, dass vor allem „kostenlose“ Mailadressen beliebte Lieferanten für Informationen über ihre Besitzer sind.

Mailadressen, die nichts kosten, gibt es nicht, es wird bloß statt mit Geld mit Daten aus der Privatsphäre bezahlt.

Die Anbieter solcher Mailadressen haben in ihren kleingedruckten AGB (= Allgemeinen Geschäfts Bedingungen) meistens den Zusatz versteckt, dass alle E-Mails gelesen werden dürfen. Auch jene, die Sie als Benutzer/in „gelöscht“ haben.

Als Alternative gibt es Anbieter, die ihren Kunden Mailverschlüsselungen anbieten. Allerdings kosten diese Angebote etwas – in Zeiten einer so genannten „Gratis“-Kultur kein einfaches Geschäft.

Noch schwerer haben es Anbieter, die sich mit dem Giganten Google anlegen. Etwa indem sie mehr Datenschutz anbieten wie zum Beispiel „disconnectme“.

Das Programm blockiert einen Teil der Internet-Werbung, eine der Haupteinnahmequellen von Google. Das war Grund genug, diesen Anbieter aus dem „Playstore“ von Google, also jener Quelle, von der die Benutzer/innen Apps installieren können, zu entfernen. Das Programm verstoße gegen die Richtlinien von Google.

Außerdem sehen die Benutzer/innen, welche Websites ihnen folgen, neudeutsch „tracking“ genannt.

Blockierte Tracker durch disconnectme

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Brian Kennish, ein ehemaliger Mitarbeiter von Google, erklärt den Grund.

„Die Suchanfragen sind Hinweise auf die Gedanken der Nutzer. … So viel über so viele Menschen zu wissen ist eine große Macht.“

Wie entscheiden wir, in welches Restaurant wir gehen? Google hat darauf Antworten. Was vielleicht für Gäste nicht so wichtig ist, wohl aber für die Restaurantbesitzer/innen.

Aber wie ist das mit politischen Entscheidungen?

Wie frei sind wir noch, wenn eine Suchmaschine unsere Gedanken auslesen kann?

Viele Projekte

Google gibt sich mit seinen bisherigen Erfolgen nicht zufrieden.

Es gibt Seminare für Start-Ups, also für zukünftige Unternehmen. Normalerweise kosten solche Seminare einige 1.000 Euros, bei Google sind sie gratis. Damit bindet der Konzern neue Unternehmen an sich.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Seminare sind sich der Strategie von Google durchaus bewusst. Aber sie nehmen die neuen Abhängigkeiten in Kauf, weil sie keine Alternative haben.

Genau diese „Alternativlosigkeit“ ist es, die manche für demokratiefeindlich halten. Google ist zu einem Quasi-Monopol geworden, das bestimmt, wie unsere digitale Zukunft aussieht.

Es investiert in selbstfahrende Autos – ein Hoffnungsmarkt, der tausende Arbeitsplätze überflüssig macht, vom Taxifahrer bis zum LKW-Fahrer.

Google-Auto ohne Lenkrad

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Weniger bekannt ist, dass Google ein Unternehmen gekauft hat, das militärische Geräte erzeugt, etwa Roboter. Eines davon könnte selbständig Waren zustellen – und menschliche Postboten überflüssig machen.

http://www.ingenieur.de/Fachbereiche/Robotik/Google-Foxconn-gemeinsam-Roboter-bauen
Zustellung von Paketen durch den Google-Roboter

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Google arbeitet auch an Ballons, die das Internet an unzugänglichen Stellen der Welt „transportieren“ können.

Bei so vielen Geschäftsfeldern ergab sich zwangsläufig eine Aufteilung, Google wurde in die Dachgesellschaft (Holding) Alphabet integriert.

Und diese besteht aus mehreren Unternehmen.

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Google beinhaltet nun, abgesehen von der Suchmaschine, YouTube, Android, GooglePlay, GoogleMaps und AdSense.

Ausgegliedert sind

  • das Forschungslabor Google[X], das selbstfahrende Auto konstruiert
  • der Haustechnikanbieter Nest, der unsere Wohnungen und Häuser „intelligenter“ machen soll
  • die Investmentgesellschaften Google capital, das zum Beispiel in Betreuungsdienst investiert und Google ventures sowie
  • Google fiber, das Glasfasernetze vertreibt.

Und dann hätten wir noch Google Calico, ein Unternehmen, das sich dem Kampf gegen das Altern verschrieben hat.

Datenschutz, nein danke

Datenschutz ist daher für Google so willkommen wie für den Bauern ein Fuchs im Hühnerstall. Deshalb gibt das Unternehmen viel Geld für so genanntes „Lobbying“, die dezente Einflussnahme auf Gesetze, aus: Im ersten Halbjahr 2015 waren es in den USA 10,5 Millionen Dollar.

Der Schutz von Daten steht dabei sicherlich nicht im Vordergrund. Und weil Europa darauf Wert legt, versucht Google es aus anderen Wegen.

Bildung ist wichtig

Europa steht der Weitergabe von Daten etwas skeptisch gegenüber, daher geht Google etwas anders vor und gründete ein wissenschaftliches Institut, das sich mit den Entwicklungen im Internet beschäftigen soll. Es befindet sich im angesehenen „Alexander von Humboldt Institut“.

Eric Schmidt betont, dass dieses Institut „völlig unabhängig ist“. Auch wenn es mit Millionen Euro von Google finanziert wird? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Christine Deckwirth von „Lobby Control“, ein durch Spenden finanzierter Verein, der die Lobbyarbeit transparent machen will, sieht das etwas anders:
„Wenn Google ein ganzes Institut mitinitiiert, finanziert und auch noch im Stiftungsrat sitzt, ist dieses Institut natürlich nicht völlig unabhängig von Google.“

Wenn Google in diesem Zusammenhang noch Fortbildung für Journalisten anbietet, mehren sich die Zweifel an der Unabhängigkeit des Humboldt-Instituts.

Google-Museum München?

Das Deutsche Museum in München hat sich mit dem Internet-Riesen bereits arrangiert. Darum kann man sich das Deutsche Museum teilweise bereits im Internet ansehen. Mit Unterstützung von Google.

Der Museumsdirektor ist begeistert. Als das Portal ins Netz gestellt wurde, gab es am ersten Tag 500.000 Zugriffe! Der Quotenterror hat längst die Museumslandschaft erreicht.

50.000 Bücher aus dem 19. Jahrhundert sollen demnächst digitalisiert werden.
Von Google-Books, der größten digitalen Büchersammlung der Welt.

Und was passiert, wenn Google in 50 Jahren nicht mehr existiert? Schließlich wäre es nicht das erste Unternehmen, das innerhalb eines halben Jahrhunderts von der Bildfläche verschwindet. Wohin geht dann dieses digitale Museum?

Das ist nur eine von vielen Fragen, die sich im Zusammenhang mit Google stellen. Außerdem ist Google nicht das einzige Unternehmen, das nach einer Monopolstellung strebt.

Unseren Schülerinnen und Schülern fallen sicher noch andere ein, die in ihrem jugendlichen Alltag eine Quasi-Monopol-Stellung haben.

Vielleicht befinden sich darunter welche, die wir Lehrerinnen und Lehrer gar nicht kennen?

 


 

Weitere Informationen

 

Beispielhafte Wissensfragen

  • Was ist ein Tracker?
  • Was kostet eine „Gratis-E-Mail-Adresse“?
  • Was bedeutet Lobbying?
  • Gibt es das auch in Österreich?
  • Aus welchen Teilen bestehen die Unternehmen Alphabet und Google?
  • Wie entwickelte sich der Umsatz von Google bzw. Alphabet im Laufe der Jahre?


Ideen, fächerübergreifend

  • Beispielhafte Analyse von AGB, zum Beispiel Facebook, Google, Instagram, …
  • Kennzeichen von Monopolen erarbeiten und diskutieren
  • Die Begriffe Holding, Aktiengesellschaft, GesmbH etc. am Beispiel Google erörtern
  • Die Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Unternehmen erarbeiten und diskutieren, welche Bereiche privat und welche öffentlich sein sollen
  • Welche Unternehmen zeigen ähnliche Tendenzen wie Google?
  • Wie agieren sie? (z. B. Facebook, Microsoft, Apple …)

Interessant für

  • Gesellschaft, Kunst und Kultur; Sprache und Kommunikation;
    Betriebs- und Volkswirtschaftslehre; Recht und Politische Bildung; Psychologie und Philosophie; Mathematik;

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