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Die Digitalisierung des österreichischen Bildungssystems

1. November 2016

digitalisierung
Es ist ein Phänomen: Während die Digitalisierung unserer Gesellschaft immer rascher fortschreitet und mittlerweile auch ältere Mitbürgerinnen und -bürger erreicht hat, zeigt sich – nicht nur – im österreichischen Schulbereich ein ganz anderes, und zwar ein eher konträres Bild.

So belegt Statistik Austria[1], dass im Jahr 2015 84% aller befragten Österreicherinnen und Österreicher zwischen 16 und 74 Jahren das Internet regelmäßig zum Lesen von E-Mails verwendeten und dass sich 74% im Netz über Waren und ihre Preise informierten.

67% besuchten 2015 regelmäßig die Online-Ausgaben von Zeitungen und Magazinen, um dort Aktuelles zu erfahren. Und auch Online-Banking erlebt einen enormen Zuwachs, denn 61% der Interviewten gaben an, mit E-Banking vertraut zu sein und es zu nutzen.

In den Schulen ist die Realität jedoch eine andere: Zwar kennen sich mittlerweile viele unserer Lehrerinnen und Lehrer grundsätzlich mit der Technik aus und verwenden sie für private Zwecke, doch wissen nur relativ wenige, wie man die digitalen Medien methodisch-didaktisch sinnvoll im Unterricht einsetzen soll.

In vielen Gesprächen zeigt sich außerdem, dass unsere Pädagoginnen und Pädagogen mitunter einem intensiven Medieneinsatz abwartend-skeptisch gegenüberstehen, weil sie – wohl berechtigt – annehmen, dass ein übertriebener Einsatz der digitalen Medien der falsche Weg wäre.

Wie Ministerin Hammerschmid in einem Interview mit der „Wiener Zeitung“[2] betonte, braucht es vor allem
„intelligente Lernmaterialien (…), die Kindern individuelles Lernen ermöglichen – etwa mit Systemen wie in Computerspielen. Dass sich jedes Kind seinem Potenzial entsprechend mit einem Thema auseinandersetzen kann, … ist eine Riesenchance.“

Doch dürfte es noch geraume Zeit benötigen, um solche Angebote flächendeckend anbieten zu können, denn Software-Entwicklungen kosten – und zwar richtig viel Geld, wenn sie qualitätsvoll sein sollen.

Die Strategie der Ministerin ist es, bis 2020 ein Netzwerk von ca. 2000 Schulen aufzubauen, „in dem solche Lernmaterialien entwickelt werden. Schulen, die sie einführen wollen, können sich abstimmen und einander bei den ersten Schritten helfen.“

Aber auch eine enge Kooperation mit den Schulbuchverlagen wird nötig sein, um bald gute digitale Angebote für jede Schulart zur Verfügung zu haben.

Die drei Säulen der „Denkweisen für die Zukunft“

Doch geht es nicht nur um den Einsatz der digitalen Medien im Unterricht, also um die Anwendungskompetenz, wie Markus Klemen, der Präsident der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG), im Rahmen der Initiative „Bildung 4.0“ betonte[3].

Es müsse sich vor allem auch die schulische Medienbildung intensiver mit dem Internet beschäftigen, so seine Forderung. Ein wichtiges Anliegen der OCG ist es daher, die Informatik als exakte Wissenschaft in der Schule, beginnend in der Volksschule zu verankern, damit unsere Kinder später einmal nicht nur zu schlichten „Nutzern reduziert werden, sondern Gestalter sein können.“

Der OCG geht es dabei nicht um den Aufbau einer EDV-Infrastruktur an den Grundschulen, sondern um das Erlernen und Üben von logischem Denken und kreativem Problemlösen mit einem kreativ-spielerischen Zugang.

Wie erfolgreich das funktionieren kann, belegen erfolgreiche Projekte, wie z. B. die „Zauberschule der Informatik[4]“ oder Alois Bachingers faszinierendes „BeeBots-Projekt[5]“, das Kindern ermöglicht, mittels „computational thinking“, also mit informatischem Denken auf spielerische Art und Weise kleine, bienenähnliche Roboter zu programmieren und damit Herausforderungen zu lösen.

Speed kills

Österreichs Schulen befinden sich also auf einem guten Weg, wenngleich wir jedoch nicht rasend schnell unterwegs sind.

Wie es sich jedoch in den vergangenen Jahren häufig gezeigt hat, war es ohnehin meistens nur sehr teuer und vor allem wenig nachhaltig, mit Nachdruck schnell und ohne ein umfassendes Konzept in die digitale Bildungswelt einsteigen zu wollen und ganze Schulen „zu digitalisieren“.

Dazu kommt, dass sich Österreichs Bemühungen durchaus mit denen unserer Nachbarländer vergleichen lassen, das belegen Studien der OECD und Erhebungen des EU-Netzwerks „eschool4s.eu“.

Deswegen ist es durchaus ein sinnvoller Schritt, wie Frau Hammerschmid im Interview mit der Wiener Zeitung meinte, im Rahmen einer „digitalen Gesamtstrategie“ die unterschiedlichen Bemühungen im Schulbereich zu bündeln und die Zusammenarbeit der Schulen zu fördern.

 

Weitere Informationen

<rw>

 [1]www.statistik.at/web_de/statistiken/energie_umwelt_innovation_mobilitaet/informationsgesellschaft/ikt-einsatz_in_haushalten/index.html
abgerufen am 27. 9. 2016

[2]  www.wienerzeitung.at/themen_channel/bildung/schule/840766_Wir-nivellieren-nicht.html

abgerufen am 27. 9. 2016

[3]  http://diepresse.com/home/Bildung/Schule/5082262 abgerufen am 27. 9. 2016

[4]  www.ocg.at/de/wizik abgerufen am 27. 9. 2016

[5]  www.phdl.at/institute/e_learning_medienpaed_ikt/digitale_innovationen/beebot/
abgerufen am 27. 9. 2016
Beachten Sie auch das Bildungs TV-Video dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=N59JzXPU12g  abgerufen am 27. 9. 2016

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