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Interessantes für Bildungsinteressierte

Ingeborg Bachmann

28. Mai 2016

bachmann
Unsere Jubiläumsserie bezieht sich dieses Mal auf die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Die Kärntnerin – sie kam in Klagenfurt auf die Welt – wäre heuer 90 Jahre alt geworden.

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“
So lautet jener Satz von ihr, der wohl am häufigsten zitiert wird. Er passt auch gut in diese Ausgabe, denn es scheint so, als wären große Teile der Welt derzeit eher an Mythen und Lügen interessiert als an Wahrheit.

Ingeborg Bachmann sprach diesen Satz bei ihrer Dankesrede anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden 1959.

In der österreichischen Mediathek – einer Medien-Perle unseres Landes, die auch im Unterricht häufig genutzt werden sollte! – findet sich diese Rede. (Und viele andere spannende Dinge.)

Ingeborg Bachmanns Texte sind nicht leicht zugänglich. Ebenso wenig wie ihr Leben. Wobei der Anfang ihres letzten, zu Lebzeiten veröffentlichten Gedichts vielen Menschen aus der Seele gesprochen sein könnte:

„Nichts mehr gefällt mir.“

Die nächsten Zeilen sind schon verwirrender:

„Soll ich
eine Metapher ausstaffieren
mit einer Mandelblüte?“

Ingeborg Bachmann hatte – nicht nur geistigen und platonischen – Kontakt mit einigen Kollegen ihrer Zunft.
Vielleicht ließ sie sich zu leicht fallen in deren Hände.
Vielleicht war sie auch zu schwer für die Männer.

Tatsache ist, dass sie medikamenten- und alkoholabhängig wurde. Sie starb in Rom, wo sie seit 1960 lebte, anfänglich in einer gemeinsamen Wohnung mit Max Frisch.

Eine Zigarette, die sie, wie so oft, nicht ausgedämpft hatte, verursachte einen Wohnungsbrand.

Im Spital, in das sie eingeliefert wurde, wusste man nichts von ihrer Tablettenabhängigkeit und behandelte ausschließlich ihre Brandwunden. Die Entzugserscheinungen lösten Anfälle aus, die an Epilepsie erinnern und tödlich für sie waren.

„Mein Teil, es soll verloren gehen.“

So endet ihr letztes Gedicht, das „Keine Delikatessen“ heißt.

Nein. Ingeborg Bachmanns Teil ging nicht verloren.

Ihr 90. Geburtstag kann Anlass sein, sich in der Schule vermehrt mit ihren Texten zu beschäftigen.

 

PS: Sollte sich jemand über die Fotos aus dem Wiener Prater wundern, die sich am Anfang mancher Artikel befinden – auch der feiert ein Jubiläum.
Er wird 250 Jahre alt. Und ist noch immer jung! Abgefragt am 5. 5. 2016

 

Weitere Informationen

 

  • Interessant für
    Wirtschaft; Sprache und Kommunikation; Gesellschaft, Kunst und Kultur;

 

Ideen und Stichworte

  • Welchen Stellenwert haben Lyrik und Ingeborg Bachmann heute?
  • Gibt es eine weibliche Literatur?
  • Wäre Ingeborg Bachmann froh darüber, dass es ein jährliches Wettlesen für Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Klagenfurt gibt?

 

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