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Die Weltverschwörungen

28. Mai 2016

weltverschwoerung
Wir Menschen haben ein sehr verständliches Bedürfnis nach Erklärung der Welt, in der wir leben. Schließlich haben wir einen Verstand, der nach Antworten sucht.
Woher kommt der Blitz?
Ist die Erde eine Scheibe?
Dehnt sich das Weltall aus – und was bedeutet das für uns?

Viele Fragen, die noch immer nur teilweise beantwortet werden können. Früher waren es Götter, die wir Menschen für die Verursacher hielten, dank der Wissenschaften wissen wir heute mehr. Aber wenn die Zeiten unsicher werden, wenn der scheinbar sichere Boden, auf dem wir uns befinden, zu vibrieren beginnt, werden auch wir wieder unsicher.

  • Wie lange noch gibt es Frieden? Zumindest in Europa?
  • Wer bedroht ihn?
  • Werden die Jungen noch Pensionen bekommen?

Das ist der ideale Zeitpunkt für Verschwörungstheorien. Sie haben einfache Antworten auf komplizierte Fragen.

Die Ö1-Sendung „Dimensionen, die Welt der Wissenschaft“ widmete sich diesem Thema. In 30 Minuten werden einige der häufigsten „Theorien“ aufgelistet:

  • Kennedy wurde von der Mafia – oder von Bankiers, heute Banker – ermordet.
    Oder von der CIA, dem US-amerikanischen Geheimdienst.
  • Die Mondlandung ist eine Fälschung (neuenglisch: Fake) der Filmindustrie.
  • Muslime unterwandern das christliche Abendland.
  • Die Ostküste (gemeint sind dabei in erster Linie jüdische Bankiers) manipuliert die Börsen.
  • Und viele andere Märchen, die sich als „Wahrheit“ darstellen.

 

 

Sündenböcke gesucht

Michael Butter von der Universität Tübingen unterteilt die Verschwörungstheorien grob in zwei Gruppen:
In jene, die auf scheinbar verwirrende Ereignisse schlichte Antworten geben und in jene, die sogleich die Schuldigen kennen.

Das können Juden und Muslime sein – um religiöse Ursachen zu benennen – oder Sozialisten und Kapitalisten, wenn ökonomische Ursachen im Vordergrund stehen. Derzeit eignen sich die Flüchtlinge für die Ursache jeglicher Gefahr gut.

Die scheint übrigens immer ein „Argument“ zu sein.

Im Mittelalter wurden die Juden für das Auftreten der Pest verantwortlich gemacht. Sie hätten „Brunnen vergiftet“, eine Redewendung, die noch immer verwendet wird. Außerdem machte man sie gerne für Ritualmorde an Kindern verantwortlich. Der sogenannte „Anderlkult“ in Tirol handelt von einer solchen Legende.

Erst 1988 machte Bischof Stecher dem Unsinn ein Ende. Die Tiroler Tageszeitung berichtete allerdings noch 2014, dass „anlässlich des Jahrestags des angeblichen Ritualmords ein ‚Anderlfest‘, inklusive Messe, stattfinden würde.“

Verschwörung: kein Privileg „bildungsferner“ Schichten

Wer sich über solche Märchen erhaben glaubt, sollte vorsichtig sein. Michael Butter hat bei seinen Recherchen entdeckt, dass der Glaube an – zumindest von heute aus gesehen – offensichtlichen Blödsinn vor bedeutenden Geistern nicht Halt gemacht hat.

Samuel Morse, Erfinder des nach ihm benannten Morse-Alphabets, vermutete seinerzeit, dass der damalige Papst und Fürst Metternich sich darauf geeinigt hätten, dass Katholiken die USA überschwemmen sollten.

Schließlich seien die USA ein leuchtendes Vorbild der Demokratie und daher für die Despoten in Europa ein Feindbild.

Ein irgendwie bekanntes Feindbild. In Dresden etwa fürchten viele Menschen, dass Europa durch den Islam unterwandert wird. Seit Monaten gehen sie jeden Montag gegen diese religiöse Verschwörung auf die Straße, ungeachtet der Tatsache, dass in ihrer Stadt nur wenige Muslime leben, genauer gesagt: 0,1 Prozent.

Also ein Mensch von tausend Menschen.

Überhaupt scheint es eine Art „Naturgesetz“ zu sein, dass die Angst vor Fremden umso größer ist, je weniger von ihnen vorhanden sind.

Die anderen sind immer die Bösen

Reinhard Kreissl vom „Vienna Centre for Societal Security“ nennt noch ein anderes Motiv, das Menschen glauben lässt, dunkle Mächte würden den Gang der Welt bestimmen:

„Wenn ich weiß, wie das wirklich ist, also dass die Freimaurer oder die Ostküste oder die Bilderberger oder wen sie da alles haben, dass also irgendwelche Geheimgesellschaften die Welt regieren, dann bin ich damit privilegiert gegenüber der Masse der dummen anderen.“ [Ö1, Dimensionen, 2016]

Waren einst weitgehend unbekannte Gruppen wie die Freimaurer oder die Ostküste das Feindbild, ist es heute sehr oft der Staat.

Zwar begeben sich die meisten Menschen gerne in die vom Staat (also von uns allen) finanzierten Spitäler und Schulen.

Zwar finden die meisten Menschen gut, dass es nach wie vor Polizistinnen und Polizisten gibt, die ihnen in Notsituationen helfen.

Aber irgendwie vermuten manche Menschen auch dahinter eine Art Verschwörung. Eine für die Demokratie bedenkliche Entwicklung, der durch Aufklärung im Sinne der europäischen Grundwerte begegnet werden sollte.

 

Quellen

Interessant für

  • Sprache und Kommunikation; Gesellschaft, Kunst und Kultur; Religion;

Ideen, fächerübergreifend

  • Beispiele von derzeit grassierenden Verschwörungs„theorien“ sammeln
  • Eigene „Theorien“ erfinden
  • Unterschiede zwischen Verschwörungen und Tatsachen herausarbeiten

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