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Was ist guter Unterricht?

18. Oktober 2015

Hilbert Meyers Buch ist erstmals 2004 erschienen, 2013 ging es in die 9. Auflage. Was macht den Erfolg dieses Buches aus?

Vielleicht die Tatsache, dass sich der Autor aus einem Streit heraushält, der viel zu oft in den Medien diskutiert wird: Die Frage nämlich, ob „Offener Unterricht“ oder „Direkte Instruktion“ das bessere Konzept sei. Das will Hilbert Meyer nicht beantworten. Oder besser gesagt: Die wissenschaftlichen Belege reichen ihm nicht aus, das eine Konzept dem anderen vorzuziehen. Es führen viele Wege nach Rom, zitiert er einen bekannten Spruch, und einschränkend: aber nicht alle.

„Deshalb sind die zehn Kriterien dieses Buches konzeptneutral formuliert worden.“(S. 9)

Eine kluge Entscheidung, denn Extremismus ist auch in der Pädagogik kein guter Ratgeber. Ich erinnere mich noch an die Lektüre eines Buches von Alexander S. Neil https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Sutherland_Neill , dem Gründer von Summerhill, das als Hort der antiautoritären Erziehung galt.

Die Wirklichkeit war dort, beschrieben in dem Buch „Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung“, gar nicht so anti-autoritär, wie viele Nachfolgerinnen und Nachfolger meinten. Aber das ist eine andere Geschichte und daher zurück zum Buch von Hilbert Meyer.

Die genannten zehn Kriterien für einen guten Unterricht beziehen sich auf zehn Merkmale guten Unterrichts, alsda sind:

  • Klare Strukturierung des Unterrichts
  • Hoher Anteil echter Lernzeit
  • Lernförderliches Klima
  • Inhaltliche Klarheit
  • Sinnstiftendes Kommunizieren
  • Methodenvielfalt
  • Individuelles Fördern
  • Intelligentes Üben
  • Transparente Leistungserwartungen
  • Vorbereitete Umgebung

Vielleicht ist das Buch auch deshalb so erfolgreich, weil der Autor sich selbst so beschreibt:

„Ich bin selbst kein Empiriker, hatte also meine liebe Mühe und Not, die vorliegenden empirischen Befunde zu lesen und zu verstehen.“ (S. 10)

Ein durchaus sympathischer Beginn für ein Buch, das eine gelungene Mischung aus Theorie und Praxis ist. Ebenso wichtig auch der Hinweis des Autors, dass die empirische Unterrichtsforschung keine Anleitungen für Lehrerinnen und Lehrer anbietet, schon alleine deshalb nicht, weil aus einem so komplexen Sachverhalt wie Unterricht (in der Realität, nicht im Labor) immer nur Korrelationshypothesen herausgefiltert werden können.

Menschen sind glücklicherweise keine Computer, die ein „A“ drucken, wenn wir auf die entsprechende Taste drücken. Daher sind die Erkenntnisse – wie in den meisten Wissenschaften – immer nur so lange richtig, bis jemand etwas anderes beweist. Was kein Einwand gegen Wissenschaften ist! Ihr Gegenteil, die Mythologie, hat der Welt viel Schaden zugefügt.

Inhaltliche Klarheit

Ich nehme aus den zehn Merkmalen guten Unterrichts als Beispiel die „inhaltliche Klarheit“.

Meyer definiert zuerst in aller Kürze den Begriff und differenziert bei diesem Punkt etwa zwischen der Verständlichkeit einer Aufgabenstellung, dem Ablauf einer Stunde und der Ergebnissicherung. Alle Teile sollen das Kriterium Klarheit erfüllen.

Indikatoren dafür seien auszugsweise

  • Informierende Unterrichtseinstiege
  • Konzentration auf die Themenstellung
  • Einsatz passender Medien
  • Intelligenter Umgang mit Fehlern
  • Regelmäßige Wiederholungen und Zusammenfassungen (möglichst durch die Schülerinnen und Schüler)

Die Effekte seien dann:

  • Der Unterricht entspricht den Lehrplanvorgaben.
  • Den Schülern gelingt ein systematischer Wissensaufbau.

Im Anschluss an jedes Kapitel gibt es Hinweise auf vorhandene Forschungsergebnisse und danach noch einige Ratschläge. Keine Rezepte!

Ein Buch, das versucht, die Waage zu halten zwischen Theorie und Praxis. Das gelingt nicht immer, bisweilen werden die Ausführungen leider etwas langatmig und redundant. Dennoch ein lesenswertes Buch, vor allem für Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihrer Arbeit beginnen.

 


 

Das Buch

Meyer, Hilbert; Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag; 1. Auflage 2004; ISBN 978-3589220472

 

Interessant für
alle Lehrerinnen und Lehrer

 

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