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Grafik und Gestaltung

18. Oktober 2015

grafikug
Markus Wäger
hat bereits mit seinem Buch Photoshop gezeigt, wie ein kompliziertes Thema verständlich beschrieben werden kann.

Nun legt er im Galileo-Verlag – der übrigens in diesem Jahr in Rheinwerk umbenannt wurde – die überarbeitete Version des Handbuchs „Grafik und Gestaltung“ vor.

Und ich gestehe: Ich habe selten ein so schönes, übersichtliches und umfassendes Buch für Design gelesen. Und mit Freude betrachtet! Eine Rezension fällt bloß aus Gründen der Datenmenge schwer, ansonsten ist meine Begeisterung umfassend!

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit Grafikdesign und beschreibt dort den Unterschied zwischen Kunst und Design. Es folgen Abschnitte über Wahrnehmungsgesetze, Form, Farbe, Bild, Schrift, Lesetypografie, Gestaltungsraster, Corporate Design, Druck und Druckvorstufe.

Ich beschreibe nur einen Teil, weil ich ihn – sehr subjektiv! – besonders interessant fand: den über die Schrift.

Markus Wäger beschreibt die Entwicklung der Schrift: Von den Hieroglyphen der Ägypter um 3000 vor Christus über die Keilschrift der Sumerer, von der Entwicklung der Piktogramme hin zu den abstrakten Alphabeten.

„Durch die Abkehr von der figürlichen Darstellung und das Ausformen reiner, abstrakter Schriftzeichen haben sich die Phönizier die Ehre erworben, als Erfinder der Buchstabenschrift zu gelten.“ (S. 373)

Danach geht der Autor auf die lateinische Schrift ein, die sich um den Beginn unserer Zeitrechnung entwickelt hat. Die Capitalis Quadrata etwa, die nur aus Großbuchstaben besteht, die Capitalis Rustica, die Alltagsschrift der Römer, die sich zu den Schriften des Mittelalters gewandelt hat.

Spannend in jeder Beziehung, wie sich daraus Ober- und Unterlängen entwickelt haben, im Reiche Karls des Großen eine Vereinheitlichung der Schrift entstand und – ich mache einen großen Sprung in die Zeitgeschichte – warum „gebrochene Schriften“ wie die „Tannenberg“ oder „Gothics“ zumindest im deutschsprachigen Raum oft mit Nationalsozialismus assoziiert werden.

Schon diese Themen bilden Zugänge für fächerübergreifenden Unterricht in Gebieten wie Geschichte, Kunst, Sprache oder Politik:

Wie viele Menschen konnten die Bibel lesen, bevor Luther sie ins Deutsche übersetzte?

Was bedeutet es, wenn in Finnland die Schreibschrift angeblich abgeschafft wird?

Lesetypografie

Markus Wäger beschäftigt sich danach damit, wie Texte – designmäßig – gut lesbar gemacht werden können. Dass er inhaltlich es wie wenig andere Schreiberinnen und Schreiber beherrscht, seine Inhalte an die Frau und den Mann zu bringen, macht einen Großteil des Vergnügens aus, mit dem ich das Buch gelesen habe.

Ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich Arthur Schopenhauer war, der geschrieben hat: „Nicht das Einfache kompliziert, sondern das Komplizierte einfach machen.“

Jedenfalls ist Markus Wäger das gelungen.

Eine wichtige Empfehlung für alle, die sich mit Design beschäftigen und es unterrichten. Und weil in unserer westlichen Welt immer mehr künstlich, also gestaltet ist: ein Buch für alle!

 

Das Buch

  • Wäger, Markus; Grafik und Gestaltung; Galileo Design, 2014;
    ISBN 978-3836225137

 

Interessant für

  • Gesellschaft, Kunst und Kultur; Geschichte; Grafik

 

Ideen und Stichworte

  • In Finnland soll die „Schreibschrift“ abgeschafft werden. Welche Bedeutung hat sie in der heutigen Zeit?
  • Wie kann die Schülerinnen- und Schülerzeitung der Schule grafisch verbessert werden?

 

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