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Eugenie Schwarzwald

18. Oktober 2015

schwarzwald
Die Jubiläumsserie bezieht sich dieses Mal auf die Gründerin einer Schule, in der fächerübergreifender Unterricht die Regel war, auf Eugenie Schwarzwald.

Vor 75 Jahren starb in der Schweiz eine Österreicherin, die – wie so viele – in ihrer Heimat vergessen wurde: Eugenie Schwarzwald. Wobei „Österreicherin“ wie so oft hier falsch verstanden werden kann: Sie kam 1872 in der Monarchie in Ostgalizien als Eugenie Nußbaum auf die Welt, wuchs in Czernowitz auf und studierte nach der Schule in Zürich Germanistik, Pädagogik und Philosophie. Einfach deshalb, weil dort die einzige europäische Hochschule war, an der Frauen studieren durften.

Allerdings übersiedelte sie bereits 1900 nach Wien, heiratete dort den Juristen Hermann Schwarzwald und wurde als Pädagogin tätig. Und zwar so aktiv, dass sie mit ihren Plänen nicht überall auf Gegenliebe stieß.

Ihre Ideen von koedukativem Unterricht oder dem, was wir heute Blockunterricht nennen, waren in den Augen der Schulbehörde seltsame Spinnereien. Als sie Oskar Kokoschka als Lehrer anstellte, befand der Schulinspektor, dass alles, was die Kinder seit Schulbeginn gemalt hätten, „ein Chaos von kindischen Patzereien gewesen sei“.

Übrigens durfte Eugenie Schwarzwald selbst nicht Schuldirektorin werden. Sie hatte ja kein Lehramt, sondern war „nur“ promovierte Philosophin. Ein männlicher Schuldirektor musste bestellt werden, aber im Grunde passierte doch das, was die
„Fraudoktor“, wie sie herablassend bezeichnet wurde, pädagogisch wollte. (Ihr Doktortitel wurde in Österreich nicht anerkannt.)

Im ersten Weltkrieg rief die Pazifistin noch Aktionen wie „Wiener Kinder aufs Land“ und Gemeinschaftsküchen ins Leben. Nach Kriegsende gründete sie einen neuen Schultyp, in dem die Fächergrenzen aufgelöst wurden: Deutsch, Philosophie und Geschichte wurden beispielsweise in einem Block unterrichtet, eine Idee, die im „Cluster“ unserer Schulen eine Art Wiederauferstehung feiert.

Otto Glöckel, weltberühmter (aber nicht österreich-berühmter) Pädagoge und damals Präsident des Wiener Stadtschulrates, begrüßte ihre Aktivitäten ausdrücklich.

Eugenie Schwarzwald war politisch klug und verließ Österreich, bevor die Nazis das Land beherrschten. Sie kehrte von einer Vortragsreise in Dänemark 1938 nicht mehr zurück. Die Faschisten zerstörten alles, wofür sie gearbeitet hatte: ihre Schulen, ihre Heimat und ihr Vermögen.

Wenig erinnert an ihr Leben, mit Ausnahme einer kleinen Dauerausstellung in der Volkshochschule Hietzing und einigen Quellen, auf die ich gerne verweise.

Selbst 2013 war es schwierig, für sie eine Gedenktafel im 1. Bezirk anbringen zu lassen, wie der Journalist Robert Sedlaczek schreibt.
http://www.wienerzeitung.at/meinungen/glossen/530740_Der-Streit-um-die-legendaere-Eugenie-Schwarzwald-ist-beigelegt.html

In diesem Sinn: Erinnern wir uns an den pädagogischen Elan, den viele Pädagoginnen und Pädagogen im vorigen Jahrhundert hatten.

 

Weitere Informationen

  • Holmes, Deborah; Langeweile ist Gift. Das Leben der Eugenie Schwarzwald; Residenz Verlag, 2012; ISBN 978-3701732036
  • Artikel in der Wiener Zeitung (15. August 2015) von Friedrich Weissensteiner
    http://tinyurl.com/ppqnp9c abgerufen am 14. 9. 2015
  • Franzi Heidenreich erinnert sich an ihre Zeit in der Schwarzwaldschule:
    https://www.youtube.com/watch?v=s8hADbLkvXI abgerufen am 14. 9. 2015

 

Interessant für
Gesellschaft, Kunst und Kultur; Geschichte;

 

Ideen und Stichworte

  • Wie sieht Schule in verschiedenen Zeiten aus?
  • Wann durften Frauen erstmals studieren und wie haben sie dieses Recht bekommen?
  • Wie werden Frauen in unterschiedlichen Kulturbereichen behandelt?
  • Was versteht man unter Menschenrechten?

 

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