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Das Leben ist riskant!

18. Oktober 2015

riskant
Nicht nur für Radfahrerinnen und Radfahrer, auch für Frauen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert wird.

Der Psychologe Gerd Gigerenzer fragte bei einem Kongress die anwesenden Gynäkologinnen und Gynäkologen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine 50jährige Frau, die bisher keine Beschwerden hatte, aber bei einer Mammografie einen positiven Bescheid erhält, tatsächlich an Krebs erkrankt zu sein.

Diese anonyme 50jährige Frau möchte nämlich von ihrer Ärztin (oder ihrem Arzt) wissen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie tatsächlich einen bösartigen Tumor hat.

Das Auditorium schwieg betreten.

Es sind, um das Ergebnis vorwegzunehmen, zehn Prozent. Mit 90prozentiger Wahrscheinlichkeit ist die Frau nicht krebskrank.

Warum das so ist, können Sie hier nachlesen: http://www.wienerzeitung.at/beilagen/wienerjournal/742398_Das-ganz-normale-Risiko.html

Für Mathematikerinnen und Mathematiker wohl ganz logisch. Offenbar nicht für die Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Die Folgen sind für Patientinnen katastrophal, weil sie womöglich, wie es einer Bekannten passiert ist, von einem Arzt oder einer Ärztin angerufen werden, der oder die ihnen berichtet, dass sie einen positiven Tumorbefund haben. Dass die Wahrscheinlichkeit dafür gering ist, wird ihnen nicht gesagt, weil die Ärztinnen und Ärzte das selbst sehr oft nicht wissen.

Wahrscheinlichkeiten spielen auch auf anderen Gebieten eine große Rolle. 2008 erklärte der US-Finanzminister Henry Paulson:

„Unsere Finanzinstitutionen, Banken und Investmentbanken sind stark. Unsere Kapitalmärkte sind robust. Sie sind effizient. Sie sind flexibel.“ Kurz darauf stürzte die ganze Wirtschaft in Turbulenzen. Die Risikomodelle, auf die Paulson seine Aussagen stützte, sahen nicht das Ausmaß der Blase voraus.“

Wir Menschen wollen Sicherheit und haben es gerne, wenn uns andere Gewissheit versprechen. Das kann eine nahezu ewige Jugend sein (Stichwort „Forever Young“, vor einigen Jahren ein Bestseller in der Beratungsliteratur) oder, wenn es schon nicht im Diesseits möglich ist, ein Paradies nach unserem Tod, wenn wir brav sind.

Im Wirtschaftsleben versprechen uns manche sichere Zinserträge. Vor zehn Jahren etwa der damalige Finanzminister (Stichwort „Grasser-Rente“), der 6% Rendite für private Pensionsvorsorge ankündigte.

http://www.profil.at/home/privatpensionen-oesterreichern-verlust-aerger-361624

Heute stellt ein Pensionist fest, dass seine Firmenpension um 25% niedriger als versprochen ist.

Wahrscheinlichkeit und Sicherheit: Ein weites Feld für die Gegenstände Mathematik, Betriebs- und Volkswirtschaft, Rechnungswesen und Politische Bildung!

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  • Gesellschaft, Kunst und Kultur; Mathematik;

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  • Welche Vor- und Nachteile brachte die EU?
  • Die Schüler/innen bringen ihre Antworten auf diese Fragen ein
  • Die Antworten werden inhaltlich überprüft
  • Welche Quelle sind seriös? Welche nicht?

 

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Tags: 04 Österreich und die Welt