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Vollgas depressiv!

8. Juni 2015

Vollgas

Schön und leistungsfähig und überhaupt gut drauf! Das ist cool und gesellschaftlich erwünscht. Die Nebenwirkungen sind erheblich.

Allmählich dringt auch in das hiesige Bewusstsein, dass Sucht nicht auf Kokain und Heroin beschränkt werden kann. Schlankheitswahn, Hochleistungsideologie und die Sucht, ständig irgendwo die „Nummer 1“ zu sein, gehören ebenso dazu wie Arbeitsabhängigkeit und die Folgen: Burn-Out und Depression, wobei die Unterscheidung zwischen den beiden Diagnosen höchst unklar ist.

Der Begriff Burn-Out ist trotz seines englischen Namens etwa in den USA unbekannt – laut einem Artikel in DER ZEIT wusste ein amerikanischer Psychiater, der mit der Neufassung der Diagnostik von psychischen Erkrankungen beschäftigt ist, mit der Bezeichnung nichts anzufangen.

Übrigens auch ein schönes Beispiel für die Unterwerfung deutschsprachiger Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die sich gerne international geben, indem sie englisches Vokabular verwenden. Manchmal allerdings falsch.

Vor der Depression – oder hübscher: dem Burn-Out – kommt häufig der Medikamentenmissbrauch. 25 % aller 13jährigen wünschen sich in Österreich Medikamente zur Leistungssteigerung!

Wie viele die Tabletten tatsächlich nehmen, ist nicht bekannt. Schließlich werden die Tabletten gerne zur Bekämpfung von ADHS verschrieben, jener Krankheit, die auch etwas verschwommen definiert wird:

„Die Grundmerkmale (nach der deutschen Ärztekammer) sind:

  • Störung der Aufmerksamkeit mit Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen und die Tendenz, Tätigkeiten zu wechseln, bevor sie zu Ende gebracht wurden.
  • Unruhiges Verhalten insbesondere mit Unfähigkeit, stillsitzen zu können.
  • Impulsivität B. mit abrupten motorischen und / oder verbalen Aktionen, die nicht in den sozialen Kontext passen.“

Laienhaft und etwas provozierend ausgedrückt: Menschen, vor allem Jugendliche, die stören und die man nicht in den Griff bekommt, aber mit Medikamenten ruhigstellen kann.

Ritalin, das bekannteste Medikament dazu, wird gerne – und immer häufiger – verschrieben. Oder, was noch gefährlicher ist, über das Internet gekauft. Die Abhängigkeit erfolgt rasch, der Entzug ist üblicherweise nur stationär möglich.

Leider geht er häufig noch mit einer Depression einher, wie der Mediziner Michael Musalek erklärt.

Leistungssteigerung – Wachstum, um auf den Schwerpunkt des letzten HUM-Magazins zu ergänzen – als Lebenssinn? Die Folgen sind, ergänzt Kurt Moosburger, Facharzt für Innere Medizin, Sport- und Ernährungsmedizin, eine Steigerung des Aggressionspotentials. Bei Sportarten wie Boxen, Rugby oder Football irgendwie erwünscht, zu Hause weniger.

Die Konsumentinnen und Konsumenten unterscheiden allerdings bei steigender Abhängigkeit immer weniger zwischen den beiden Teilen: Das „Ausrasten“ erfolgt dann auch daheim.

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