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Die Sounddesigner

7. Juni 2015

Sounddesigner

Sie werden auch Sound-Branding-Experten genannt, damit die Berufsbeschreibung noch unübersichtlicher wird. Worum geht es? In erster Linie um die Überlistung des Konsumenten.

„Gott schenke uns Ohrenlider.“

Das wünschte sich Kurt Tucholsky und dieses Zitat kann dazu genutzt werden, unterschiedliche Bedeutungen von gleich ausgesprochenen Wörtern zu thematisieren und auf die Wichtigkeit grammatikalischer Regeln hinzuweisen.

Oder dazu, den Beruf des Sound-Branding-Experten zu beschreiben: Er beschäftigt sich mit Geräuschen und nutzt die Tatsache, dass wir leider keine Ohrenlider haben.

Dass unsere Welt immer lauter wird, darüber dürfte es keine Zweifel geben. Selbst in jeder halbwegs modernen Toilette dringen aus unsichtbaren Lautsprechern Hardrock oder mindestens Hansi Hinterseer.

Wo viele Geräusche sind, entsteht zwischen ihnen das, was Werbeleute den Kampf um Aufmerksamkeit nennen. Den gilt es nicht nur durch fesches Design oder fetziges Auftreten – siehe European Song Contest – zu gewinnen, sondern auch durch hervorragenden Ton.

Hervorragend meint dabei nicht unbedingt etwas im herkömmlichen Sinne Schönes, sondern bloß Auffallendes.

Der Ton macht den Verkauf

Carl-Frank Westermann, ehemaliges Mitglied der Band „Fehlfarben“, kann davon ein Lied singen, das zwar nicht als Musik durchgeht, aber viel öfter und möglicherweise besser bezahlt gespielt wird.

Ihm gehört die Agentur „wesound“ („Agentur für auditive Markenentwicklung“), die sich auf Werbung durch Klänge spezialisiert hat. Von der visuellen CI (corporate identity) zur audiellen CI lautet seine Devise.

Das Dumme an manchem Fortschritt ist ja, dass typische Geräusche teilweise entfallen. Ein Elektroauto fährt motormäßig kaum hörbar. Für Liebhaber eines Alfa Romeos oder Porsches eine Katastrophe.

Was also tun?

Ein Geräusch designen (gestalten). So kann man, meint zumindest Carl-Frank Westermann, Benutzer an einen Ton (sound) gewöhnen. Ein Produktwechsel fällt, wenn das Geräusch als angenehm und wohlvertraut empfunden wird, dann etwas schwerer.

Was beim Auto funktioniert – Audi hat zum Beispiel eine Abteilung mit 100 Mitarbeitern dafür und eine eigene Werkstatt – , hat wohl auch bei anderen Produkten Bedeutung.

Geräusche für die Sicherheit

Bei Elektroautos hat die Erfindung eines Geräusches auch sicherheitstechnische Gründe. Menschen haben sich daran gewöhnt, dass Autos laut sind. Statt zu schauen, reicht vielen bisweilen das Hören. Bei Blinden und anderen Sehbehinderten geht das gar nicht anders: Sie sind auf Autogeräusche angewiesen.

Deshalb gibt es gesetzliche Vorgaben für Elektrofahrzeuge: Sie müssen auch bei geringer Geschwindigkeit (bis 20 kmh, danach reichen die Abrollgeräusche der Reifen für die Wahrnehmung) Geräusche von sich geben.

Weil es keine Soundvorbilder für Elektroautos gibt, ließ man sich bei Audi durch SF-Filme wie Star Wars inspirieren, aber auch durch Eisenbahngeräusche.

Das Ergebnis sind markenspezifische Töne, die eine Kundenbindung ergeben sollen. Renaultfahrer/innen dürfen bei Elektroautos sogar unter drei verschiedenen „Sounds“ wählen – ob sie damit auch ihre eigene Stimmungslage wiedergeben können? Wäre doch eine Art Zusatznutzen: Achtung, hier kommt ein aufgeregter Fahrer. Oder: Eine entspannte Fahrerin nähert sich gemütlich dem Zebrastreifen.

Vom Krachen der Frische

Nicht nur der Motorklang, auch das Schließen der Autotüren wird soundmäßig bearbeitet. Ein sattes Einrasten vermittelt hochwertige Qualität – unsere Ohren trauen dem Geräusch.

Selbst das Krachen frischer Kekse: ein Ergebnis der Marktforschung und Soundproduzenten. Noch gibt es den „Keksdesigner” nicht als Lehrberuf, aber die FH Joanneum bietet bereits einen Lehrgang an. Ob er zustande kommt, hängt von den Gremien ab.

Woran merkt der Mann, dass der Rasierer gut rasiert? Am Ton! Zumindest glaubt er das. Tontechniker/innen basteln daher daran, dass der Rasierer den richtigen Ton hat.

„Geräusche erzeugen Gefühle“, meint ein Sounddesigner und hat damit wohl recht: Der Hessische Rundfunk zeigt in einer Sendung aus dem Jahr 2014, wie elektrische Rasierer klingen (sollen).

 

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Interessant für

Wirtschaft; Gesellschaft, Kunst und Kultur; Sprache und Kommunikation; Religion und Ethik;

 

Ideen, fächerübergreifend

  • Konstruktion eines Sounds für zB ein Handy, ein Auto, ein Tablet …
  • Zielgruppe eruieren: Welche Erwartungen hat sie an den Klang?
  • Begründung dafür schriftlich verfassen
  • Ist Sounddesign Manipulation oder Information?
  • Und vielleicht eine philosophische Frage: Wann ist Forschung sinnvoll?

 

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Tags: 04 Österreich und die Welt