magazin24.info

Interessantes für Bildungsinteressierte

Der Markt ist ein Gerücht

16. März 2015

grafik4_web

Der Vorarlberger Bauunternehmer Hubert Rhomberg ist kein prinzipieller Gegner der Globalisierung

 

oder der Marktwirtschaft, im Gegenteil: Gerade immaterielle Güter wie Wissen, Software oder Dienstleistungen sind seiner Meinung nach für Menschen überall auf der Welt wichtig.

Schlimm findet der Unternehmer es allerdings, wenn Produkte sinnlos in der Welt hin- und hergefahren werden und die Produkte am Ende der Irrfahrten billiger sind als die regional erzeugten – „das ist das klassische Beispiel von Marktversagen“.

So genannten „Liberalen“, die meinen, dass „der Markt“ es schon richten wird, richtet er aus:
„Wenn es einen wirklichen Markt gäbe und die echten Produktionsfaktoren etwas kosten würden, würde das nicht passieren. Das Problem ist: Die wertvollsten Dinge auf dem Planeten kosten nichts und kommen in der Rechnung nicht vor. Saubere Luft, sauberes Wasser, Diversität, die Bestäubung durch Bienen und Insekten haben keinen Wert.“

1.000 Frauen und Männer arbeiten in seinem Betrieb, der übrigens vor kurzem zum familienfreundlichsten Unternehmen Vorarlbergs gewählt wurde.

Das Vorarlberger Bauunternehmen hat es geschafft, 30 Stockwerke hohe Häuser aus Holz zu bauen, aus einem Material also, das nachhaltig ist (Holz wächst nach) und außerdem „atmet“, also ökologisch sinnvoll ist.

Nun hat der Unternehmer entschieden, dass das Patent für diese Häuser allen Bauherren und Baufrauen zur Verfügung gestellt wird, eine Art „open source“ für Häusl-bauerinnen und Häuslbauer der höheren Ordnung – sozusagen „libre office“ gegen „Microsoft“ auf architektonischem Gebiet.

„Ich für mich erreiche das Ziel ja nicht, das Bauen nachhaltig zu verändern, wenn ich pro Jahr drei bis vier solcher Häuser baue, sondern wie kann ich es schaffen, dass tausende Menschen darauf zugreifen können.“

Gemeinwohlökonomie[1]

Diesen Begriff hält Hubert Rhomberg für einen Schlüsselbegriff (und empfiehlt übrigens auch die Lektüre des Buches „Wohlstand ohne Wachstum“ allen österreichischen Unternehmern).

Sein Unternehmen erstellt nicht nur eine Bilanz im Sinne des Steuerrechts, sondern auch eine „Gemeinwohl-Bilanz“.

In diese werden nicht nur die offiziell anerkannten Geldwerte eingesetzt – die zum Teil ja Phantasiewerte sind, wie die Finanzkrise 2008 verdeutlichte – , sondern auch jene Werte, die in einer Finanzbuchhaltung gar nicht vorkommen, etwa die „innerbetriebliche Demokratie und Transparenz“, die „gerechte Verteilung des Einkommens“ oder der Beitrag des Unternehmens zum „Gemeinwohl“.

Diese unvollständige Auflistung ist der Gemeinwohl-Matrix entnommen, die gesamte Darstellung ist hier zu finden: https://www.ecogood.org/gemeinwohl-bilanz/was-ist-die-gemeinwohl-bilanz

Soziale Wirtschaft statt Ego-Wirtschaft

Dieses Modell ist ein spannender Einstieg in die Welt einer Wirtschaft, die unter Umständen auch anders aussehen kann.

Fragen an die Schülerinnen und Schüler können lauten:

  • Wohlbefinden statt Wachstum?
  • Welche Werte beinhaltet eine herkömmliche Bilanz?
  • Welche Werte fehlen?

 

Mehr Informationen
Beispiele für Unternehmen mit Gemeinwohlbilanzen:
https://www.ecogood.org/ abgerufen am 11. 2. 2015

Vier Seiten zu den Inhalten einer Gemeinwohl-Ökonomie:
http://www.christian-felber.at/schaetze/gemeinwohl.pdf abgerufen am 11. 2. 2015

 

Interessant für
Wirtschaft; Gesellschaft, Kunst und Kultur; Ethik und Religion;

<el>

[1] Was ist die Gemeinwohl-Ökonomie? Ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft: https://www.ecogood.org/was-ist-die-gemeinwohl-oekonomie
abgerufen am 11. 2. 2015

Tags: 06 Qualität