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Interview mit LSI HR MMag. Christine Pichler

5. März 2014

LSI Christine Pichler

Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Ich maturierte an der HAK-Grazbachgasse und studierte Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik in Graz.
Vor meinem Eintritt in den Schuldienst war ich als Firmenkundenbetreuerin mit dem Tätigkeitsschwerpunkt „Gefährdete Kreditengagements“ im Großkundenbereich einer Bank beschäftigt.
Neben den unterrichtsnahen Aus- und Fortbildungsbereichen habe ich eine Ausbildung zum zertifizierten systemischen Coach sowie zur gerichtsnahen Mediatorin absolviert.

Meine Unterrichtstätigkeit begann ich 1995 an der HLW/FW Fohnsdorf. Nach einer Mitverwendung an der HAK und weiteren fünf Unterrichtsjahren an der HLW des Schulvereins der Grazer Schulschwestern bin ich seit 2005 die Landesschulinspektorin für die humanberuflichen Schulen sowie die Bildungsanstalten für Kindergarten- und Sozialpädagogik in der Steiermark.

Bitte beschreiben Sie den HUM-Bereich, für den Sie als Inspektorin verantwortlich sind: Wie viele Schulen, welche Schultypen gehören dazu und wie viele SchülerInnen und LehrerInnen sind an Ihren Schulen?

Im Schuljahr 2013/14 haben wir in der Steiermark im genannten Aufsichtsbereich 33 Schulen, davon 14 HLW/FW/FSB, 1 HLT, 1 HLM/FM, 1 FW, 4 SOBs, 1 Konservatorium für Kirchenmusik, 1 LA für Ehe- und Familienberatung, 1 Bundessportakademie, 7 BAKIPs und 2 Kollegs für Sozialpädagogik. Insgesamt besuchen 7.852 Schülerinnen und Schüler diese Schulen, die von 1094 Lehrpersonen unterrichtet werden.

Was sind Ihre pädagogischen Ziele? Welche Visionen und Perspektiven sind Ihnen wichtig?

Die Dynamik der sozialen und technischen Entwicklung, die Veränderung von Kommunikation und der Umgang mit Informationstechnologien, die Globalisierung und geänderte Rahmenbedingungen stellen neue Anforderungen – auch an das Schulwesen.
Die Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität im humanberuflichen Schulwesen in der Steiermark, das den Absolventinnen und Absolventen ein qualitativ hochwertiges, vielseitiges und praxisnahes Bildungsangebot bietet, aber auch die Wahrnehmung des Menschen mit seinen vielfältigen Bedürfnissen, bilden meinen zentralen Fokus.
Mein Ziel ist es, gestützt auf die hum-Maximen, die Schulen in ihren eigenverantwortlichen, standortspezifischen Zielsetzungen zu unterstützen, die bundeslandweite Entwicklung im Auge zu behalten und so einen kontinuierlichen, zielgerichteten Entwicklungsprozess zu initiieren, zu begleiten und voranzutreiben. Prozessbegleitende Evaluation soll Lernfelder für die Organisation nutzbar machen und die Qualitätsentwicklung als Regelkreissystem weiter unterstützen.
Wesentlich erscheinen mir auch weitere Kompetenzbereiche wie: Werte kommunizieren zu können sowie ein klares Selbstbild, verbunden mit der Einsicht einer immerwährenden kritischen Selbstreflexion.

Wie fördern Sie an Ihren Schulen das eigenständige und selbstverantwortliche Arbeiten der Schülerinnen und Schüler?

Hat bislang das Anhäufen von Wissen und die Wiedergabe von Gelerntem oft gereicht, steht nunmehr die umfassende Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler im Fokus.
Der Kompetenzbegriff im Sinne von „Skills, Knowledge und Attitude“ – oder anders ausgedrückt: „Wissen, Können und Haltung“ und somit auch der Wille, etwas zu tun und das eigenverantwortliche Handeln der Schülerinnen und Schüler stehen im Fokus. Schülerinnen und Schüler sind gefordert.
Es gilt, um die Schülerinnen und Schüler zu erreichen, bei den Lehrerinnen und Lehrern anzusetzen. Denn: „Was nützt die beste Erziehung? Kinder machen uns sowieso alles nach!“ (Titel eines Familienforums).
Wir bieten den Lehrerinnen und Lehrer laufend Schulungen an, um sie zu stärken, ihre Methodenkompetenz zu vertiefen, um sie damit zu Unterstützern der Schülerinnen und Schülern in deren Lernprozessen zu machen. Regelmäßige Individualfeedbacks durch Schülerinnen und Schüler zeigen den Lehrpersonen, dass sie auf einem guten Weg sind und auch die Schülerinnen und Schüler erkennen die Veränderung ihrer Haltung als Ergebnis dieses Lernprozesses.
Landesarbeitsgemeinschaften und Fachgruppenarbeit an den Standorten sind – neben Fort- und Weiterbildungsangeboten – ein weiteres Element der modernen Unterrichtsarbeit.

Eine gute Fee erscheint und bietet Ihnen an, drei Dinge im österreichischen Schulsystem von heute auf morgen zu ändern: Wir sind neugierig – welche wären das denn?

  • Schülerinnen und Schüler, die sich ihre Neugierde, ihre Freude und ihren Wissensdurst, den sie vor der Einschulung mitbringen, bis zum Ende ihrer Schullaufbahn und darüber hinaus ins Leben, bewahren und täglich neu entwickeln.
  • Professionelle Lehrpersonen, fachlich und pädagogisch kompetent, die mit Engagement im Team die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler begleiten und deren Grundhaltung sich auf die 4 „M‘s“ stützt. (Man muss Menschen mögen)
  • Ersatz des schulsystembedingten Selektionsprinzips durch ein individualisiertes Entwicklungs- und Förderprinzip

Wordrap: Was fällt Ihnen spontan zu diesen acht Begriffen ein? Schreiben Sie bitte drei, vier kurze Begriffe dazu!

Nachhilfe

Finanzielle und psychische Belastung für Familien, Lernbegleiter sind keine Nachhilfepersonen

Lernplattformen
Unterstützungsinstrument, ausbaufähig

Pädagogische Hochschule
Neues PH-Dienstrecht, wichtiger Fortbildungspartner,
Problematik: Lehrerausbildung – Lehrerfortbildung

Ferien
Erholungsraum, wichtige Zeit für berufliche Ersterfahrung bei BMHS-Schüler/innen

Neue Reifeprüfung
Schulversuche bauen Unsicherheit ab
schriftlich: Trend zur Mitte bei den Beurteilungen erkennbar

Bildungsvolksbegehren
…. Was wird damit nun ….?

Verpflichtende Fortbildung
Unterricht auf dem aktuellen Stand erfordert laufende Fortbildung

Neues Dienstrecht
In Begutachtung – 2 Klassen-Lehrpersonenschaft

Frau Landesschulinspektorin, herzlichen Dank für das Interview!

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