magazin24.info

Interessantes für Bildungsinteressierte

Lernen sichtbar machen – überarbeitete deutschsprachige Ausgabe

5. Oktober 2013

Das Lernen sichtbar machen – wie ist das zu verstehen, wenn Lernen per se unsichtbar ist? Lernen ist und bleibt eine einmalige Erfahrung – wie Heinz von Förster schon sagte: „ Lernen ist so eigen wie ein Fingerabdruck.“ Wenn wir davon sprechen, das Lernen sichtbar zu machen, sprechen wir nicht im eigentlichen Sinne davon es sichtbar zu machen – dies wäre, als ob man versuchen wollte die Liebe sichtbar zu machen. Der Liebe und dem Lernen sind gemeinsam, dass beide nur durch ihre Auswirkungen sichtbar werden können. Allein die Interpretationen und die Rückschlüsse, die sich auf Basis sichtbarer und daher beobachtbarer und „vermessbarer“ Teile treffen lassen, geben Aufschluss darüber, ob und inwieweit Lernen stattgefunden haben mag. Lernergebnisse, erworbene Kompetenzen, die sich in Anwendung, Umsetzung und Handlungen zeigen, sind jene Aspekte, die ein wenig Licht in die „black box“ (frei nach der behavioristischen Lerntheorie) des Lernprozesses bringen können. Lernergebnisse sind messbar, Lernziele definierbar und deren Erreichung überprüfbar  – die eigentliche Frage aber scheint wesentlicher zu sein: Was macht Lernen wirksam und wie können LehrerInnen möglichst lern-wirksam  im Sinne der Lernenden handeln?

Lesen wir Hattie, wird schnell klar, dass es keine Handlung, keine Komponente im Lern- und Lehrkontext gibt, die unwirksam bliebe. Klar ist aber auch, was die von Hattie insgesamt über 50.000 empirischen, ausgewerteten Studien über die Bedingungen des Lernerfolgs von Schülern zeigen – auf die Lehrerinnen und Lehrer kommt es an – genauer, auf das, was gute Lehrkräfte tun. Entscheidend ist, dass diejenigen Lehrkräfte erfolgreich sind, die ihren SchülerInnen kontinuierlich Feedback über deren Lernfortschritt geben, die ihre SchülerInnen herausfordern, sie zum Lernen anleiten und die Mitverantwortung für den Lernerfolg ihrer SchülerInnen übernehmen.

Mit seinen Thesen hat Hattie großen Anklang gefunden – festzuhalten bleibt, dass Hattie mit seiner Studie keine „neuen“ Erkenntnisse gebracht, wohl aber eine eindeutige empirische Beweislage bereitgestellt hat, welche „Glaubenssätze“ wie: „Ich glaube, dass LehrerInnen wichtig für den Lernerfolg der SchülerInnen sind“, endlich auf ein neues Fundament stellt. Aus dem intuitiven „Glauben“ wurde so ein belegbares „Wissen“ – ohne, dass dabei der alleinige Wahrheitsanspruch erhoben werden sollte – denn es bleibt zu bedenken: Erkenntnisse der Forschung gelten eben nur so lange als „wahr“, bis das Gegenteil bewiesen wird.

Text: Kerstin Mayr-Keiler

Das Buch:

Hattie, John: Lernen sichtbar machen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von „Visible Learning“ besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer. Schneider Verlag. 2013

Tags: 07 Rezensionen