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„Schularbeit“: Die Leiden des jungen Lehrers

27. Oktober 2012

„Wir haben überlebt“, seufzt ein total erschöpfter, aber erleichterter Lehrer im Konferenzzimmer. Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien 2011 und das Lehrerzimmer eines Wiener Gymnasiums ist erfüllt von einem kollektiven Aufatmen. Endlich entspannen, endlich kein Druck mehr! Nur der junge Lehrer Frank Huss spürt, obwohl er es sich noch nicht eingestehen mag, dass ihm in diesen Ferien wohl noch einiges bevorstehen dürfte, um im September physisch und psychisch erholt wieder seinen Dienst antreten zu können.

Frank Huss ist ein engagierter und kompetenter Musiker und Lehrer, der Musik, Deutsch und Geschichte studiert hat und den Lehrberuf deswegen ergriffen hat, um seinen Schülerinnen und Schülern das beizubringen, was er gut kann und ihm großen Spaß bereitet. Neben der Schule findet er noch Zeit für mehrere historische Publikationen, in denen er u.a. Geschichten über bekannte Persönlichkeiten erzählt.

Doch die Enttäuschung ist groß, als er sich bald eingestehen muss, dass sich die Realität gravierend von seinem Wunschbild unterscheidet und außerdem knallhart ist. Huss bemüht sich nach Kräften – und eigentlich weit darüber hinaus – ein guter Lehrer zu sein und muss erfahren, dass auch wenn er sich noch so abmüht und Feuer und Flamme für seinen Beruf ist, die meisten Schüler/innen desinteressiert bleiben.

Die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der letzten Jahre, multikulturelle Klassen mit zu vielen Kindern sowie auch die tristen Verhältnisse in seinem Gymnasium, viele problembeladene Schüler/innen, die ihm respektlos begegnen und nur selten dafür zu begeistern sind, was ihm gefällt und er ihnen unbedingt beibringen will, erzeugen bei dem jungen Lehrer den Eindruck, dass Bildung keinen Wert mehr hat – und steigern den Druck in ihm. Zuhause denkt er weiter an seinen Traum von der idealen Schule und bemüht sich über einen längeren Zeitraum, all die dafür nötigen Voraussetzungen niederzuschreiben.

Auch leidet Huss am negativen Image des Lehrberufs, muss er sich doch in Gesellschaft immer wieder dafür rechtfertigen, dass er Lehrer ist und offenbar viele die von einigen Massenmedien kolportierte Vorstellung übernommen haben, dass der Lehrberuf ein überbezahlter Halbtagsjob mit langen Ferien sei. So fällt Huss 2011 erschöpft in tiefe Depressionen, leidet an Schlaflosigkeit, Magenkrämpfen und Panikattacken und kann erst nach langer Behandlung wieder zurück in die Schule.

„Schularbeit“ ist ein ehrliches, mutiges und gut geschriebenes Werk, eine Autobiografie, die den Werdegang des Lehrers Frank Huss von seinem Eintreffen am Wiener Südbahnhof als Student bis zu seinem Burn-Out im Sommer 2011 schildert. Der Autor kontrastiert seine Anfangszeit in Wien mit dem Höhepunkt der Krise und versteht es, den Leser mit seiner Erzählung so zu fesseln, dass nur schwer ans Aufhören zu denken ist.

Mutig und offen beschreibt er den Hergang seines Zusammenbruchs, obwohl er weiß, dass er sich damit in Österreich nichts Gutes tut, gibt es doch „kein Bewusstsein dafür“, über psychische Krankheiten zu reden, denn hierzulande sind „physische Krankheiten in Ordnung, psychische nicht“.

Am Ende von „Schularbeit“ erfahren wir, wie es Huss nach seinem Zusammenbruch weiter ergangen ist: Der Autor hat schlussendlich mit ärztlicher Hilfe und vielen Therapiestunden den Weg aus seinem Burn-Out gefunden hat und unterrichtet heute wieder an seiner Schule.

Das Buch
Huss, Frank, Schularbeit, 2012, Edition a, ISBN 978-3-99001-046-4

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