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Interessantes für Bildungsinteressierte

Kompetenzorientierter Unterricht

13. Juni 2012

Im vorigen HUM-Magazin gab es einen kurzen Text zu diesem Thema. Er soll ein wenig erweitert werden, am Ende gibt es Links zu ausführlichen Texten.

Der Begriff Kompetenz wird wissenschaftlich (leider) unterschiedlich definiert, die Übersetzung aus dem Lateinischen lautet „zusammentreffen“, „zu etwas fähig“ sein. Es geht also, einfach ausgedrückt, um das Zusammenspiel mehrerer Fähigkeiten. Damit sind nicht nur die geistigen, kognitiven Fähigkeiten gemeint, sondern beispielsweise auch die emotionale Kompetenz oder die Fähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten.

Unsere Gesellschaft hat sich gewandelt: Von einer Industriegesellschaft, in der das „Funktionieren“ innerhalb straffer Organisationsabläufe wichtig war, in eine – zumindest zu einem großen Teil – Dienstleistungsgesellschaft, in der von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern immer häufiger selbständiges Handeln und soziale Fähigkeiten gefordert werden: Eigenschaften, die auch abseits des Berufslebens durchaus positiv klingen. Schule muss sich auf diese neuen Rahmenbedingungen einlassen, wobei hier noch gar nicht auf die geänderten sozialen Bedingungen Jugendlicher eingegangen werden soll, die das Berufsbild der Lehrkräfte ebenfalls verändern.

Prinzipiell sind alle Betroffenen sich einig: Bildung ist mehr als Fakten aufzählen, Drill als Unterrichtsmethode hat weitgehend ausgedient. Und war übrigens schon in meiner Zeit als Schüler nicht zielführend. Ich weiß zwar bis heute, dass „333 bei Issos Keilerei“ war, aber wer sich da mit wem gekeilt hat, hatte ich bald vergessen. Mein ganz persönliches Interesse für Geschichte war es, das mich wieder näher an die kriegerischen Völker und Alexander heranführte.

Meine Fachkompetenz, die Kenntnis eines Datums, war nur kurze Zeit vorhanden, nämlich bis zur nächsten Prüfung. Ich musste ja keinen Zusammenhang mit anderen Ereignissen herstellen. Vielleicht hätte mich das damals bereits motiviert, mich mit Geschichte genauer auseinanderzusetzen?

Motivation ist etwas, das durch kompetenzorientierten Unterricht geweckt und gefördert werden soll. Natürlich wird sich nicht jede Schülerin für Geschichte begeistern, aber vielleicht reicht es, wenn auch sie den Hellenismus zumindest kennen lernt. Nicht anhand vieler Jahreszahlen, sondern etwa dadurch, dass sie etwas über das Leben der damaligen Menschen erfährt.

Die Umsetzung dieses Wissens auf andere geschichtliche Episoden – wie lebten Menschen im Mittelalter, wie vor der Französischen Revolution, wie in der Zeit zwischen den Weltkriegen – entspricht der Methodenkompetenz: Umsetzung des Gelernten auf andere Gebiete. Dieser Fähigkeit wird noch immer zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, siehe die Beispiele im Buch „Die Bildungs-Hochstapler“ (Buchbesprechung im HUM-Magazin).

Wenn aber das Gelernte nicht nur auf andere Umstände angewendet wird, sondern auch noch mit anderen Schülern ausgetauscht wird, gar erweitert um das Wissen des Nachbarn, der sich für die wirtschaftliche Situation in der Türkei interessiert, weil seine Mutter dort geboren wurde: Dann werden personale und soziale Kompetenzen gefördert und im besten Fall gelebt.

„Wissen muss in Können münden und in Handlungen sichtbar werden.“ So wird es im Grundlagenpapier „Kompetenzorientiertes Unterrichten“[1]) zusammengefasst. Faktenwissen ist nicht mehr das einzige Element, nach dem Leistungen gemessen werden. Wissen im weiteren Sinn umfasst zum Beispiel auch die Fähigkeit, „Lernprodukte“ zu erstellen. „Lernen durch Lehren“ und „Cooperatives Offenes Lernen“ sind Beispiele, wie Stunden gestaltet werden können.

Dazu ist es nötig, das Augenmerk noch mehr auf die Unterrichtsplanung zu legen und den Frontalvortrag radikal zu reduzieren. (Nicht, ihn zu streichen!)

Zusammenarbeit mit anderen Lehrer/innen und fächerübergreifende Inhalte werden notwendige Bestandteile des Unterrichts. Viel Vorbereitungsarbeit ist nötig. Zum Lohn gibt es allerdings Stunden in den Klassen, die für die Lehrenden äußerst entspannend sind, weil die Schülerinnen und Schüler beschäftigt sind – und sich beschäftigen.


©  http://wiki.zum.de/Kompetenzorientiert_unterrichten

 

Weitere Informationen

http://tinyurl.com/cwnu9uu Broschüre Bildungsstandards: Soziale und personale Kompetenzen
http://www.bildungsstandards.berufsbildendeschulen.at/de/downloads.html Bildungsstandards

Interessant für:
Allgemein, Fortbildung

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[1])   Kompetenzorientiertes Unterricht: Seite 16, hier downloadbar: http://tinyurl.com/czjnc5d

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