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Erfolgreich Lehrer/innen fortbilden – aber wie?

13. Juni 2012

Welche Faktoren sind nötig, damit Lehrer/innenfortbildung gelingt? Frank Lipowski, Fortbildungsforscher an der Universität Kassel, referierte Ende März 2012 an der EURAC-Akademie in Bozen über das Thema „Fortbildungsplanung zwischen Kreativität und Wirksamkeit“.

Für Lipowski bedingen mehrere Voraussetzungen den Erfolg von Fortbildung. Zum einen müssen an einer Schule sowohl die Schulleitung als auch das Kollegium eine positive Einstellung zum Thema haben. Günstig ist es auch, Fortbildung als Teil der Schulentwicklung im Schulprogramm zu verankern. Damit Lehrerinnen und Lehrer motiviert sind, sich regelmäßig fortzubilden, muss das Schulklima so beschaffen sein, dass der Besuch einer Fortbildungsveranstaltung von denen, die in der Schule bleiben, nicht als Störung, sondern als positiver und wichtiger Teil der Arbeit gesehen wird.

Damit Fortbildung fruchten kann, sollten Lehrpersonen, die sich für eine schulinterne Veranstaltung oder ein Seminar an einer PH anmelden, u.a. über die entsprechende Bereitschaft, etwas Neues zu lernen verfügen sowie über das dafür nötige Vorwissen. Mehrteilige Veranstaltungen fordern außerdem von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein beträchtliches Maß an Ausdauer und vor allem die Motivation, in der Freizeit an sich zu arbeiten.

Auf Seiten der Fortbildung braucht es andererseits Referent/innen, die hochmotiviert und in der Lage sind, ihr Thema fundiert zu vermitteln in der Form, dass der Funke auf die Lernenden überspringen kann. Auch muss es darum gehen, den Teilnehmer/innen den praktischen Nutzen eines Themas nahezubringen und welche Möglichkeiten das neu Erworbene im Unterricht bieten kann.

Grundsätzlich kann, so Lipowski, nicht behauptet werden, dass die Qualität einer Fortbildung in direktem Zusammenhang mit der Länge der Veranstaltung steht, doch belegt die Forschung eindrucksvoll, dass längere Veranstaltungen, bei denen Input-, Erprobungs- und Reflexionsphasen ineinander verschränkt sind, wesentlich nachhaltiger sind als kurze Seminare.

Der Wissenschafter führt drei Ebenen an, an denen er eine erfolgreiche Fortbildungsveranstaltung festmacht. Erfolgreich ist ein Seminar, wenn ein/e Teilnehmer/in im Rahmen der Veranstaltung Dinge dazugelernt hat und motiviert nach Hause geht (Ebene 1).

Ändert sich sein/ihr Handeln danach und verbessert sich die Unterrichtsqualität, bezeichnet Lipowski dies als Ebene 2.

Der Optimalfall (Ebene 3) ist, dass das in der Fortbildung Gelernte letztlich im Unterricht ankommt und die Leistungen und Motivation der Schülerinnen und Schülern positiv beeinflusst.

Freilich, schränkt Lipowski ein, können nicht alle Lehrpersonen von den Angeboten der Lehrer/innenfortbildung gleich profitieren, denn – wie wohl in vielen anderen Berufen auch – gibt es in Anlehnung an Hilbert Meyer fünf unterschiedliche Typen:

  • Träumer: sind leicht zu begeistern, haben Visionen, sind aber nicht immer die ausdauerndsten und geduldigsten
  • Häuptlinge: arbeiten eher im Hintergrund und sorgen dafür, dass der Laden vor lauter neuen Ideen läuft; sollten von der Fortbildung überzeugt werden/sein
  • Indianer: „gemeines“ Fußvolk und Mitläufer, die erst angesteckt/motiviert werden müssen
  • Macher: wollen Schule verändern, arbeiten gerne und viel
  • Stinkstiefel: haben immer was zu meckern und haben Angst vor Veränderung

 

Quelle
Lipowski, Frank, Was macht Fortbildungen für Lehrpersonen wirksam? EURAC-Akademie, Bozen, 29.3.2012

Link
http://kreativundwirksam.wordpress.com/category/vortrag-intervento-univ-prof-dr-lipowsky/ abgerufen am 4. 6. 2012

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