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Kompetenzen – neuer Begriff in alten Schläuchen?

5. März 2012

„Was haben wir eigentlich bisher unterrichtet? Keine Kompetenzen?“ So in etwa lautet der Kommentar einiger Lehrer/innen, wenn sie mit dem Begriff „Kompetenz“ konfrontiert werden.

In diesem Artikel soll ein kurzer Einblick gegeben werden, was es mit „Kompetenz“ auf sich hat, auch deshalb, damit die zukünftige Entwicklung der neuen HUM-Lehrpläne verständlich wird. Sie sind keine „Revolutionen“, sondern eine notwendige Reform im Rahmen geänderter gesellschaftlicher Begleitumstände und der Versuch, den Lehrerinnen und Lehrern mehr Verantwortung zu übertragen.

So weit und so allgemein – was bedeutet das konkret?

Lehrpläne legten bisher in weiten Bereichen einen Schwerpunkt auf die Vermittlung von Sachwissen: in bestimmten Jahrgängen sollten bestimmte Inhalte gelehrt werden. Ob sie auch GELERNT wurden – im Sinne von Wissen, das auch nach Jahren noch zur Verfügung steht – , war keine explizite Forderung.

Wichtig war, dass der Inhalt unterrichtet wurde. Danach wurde der Wissensstand zu einem bestimmten Zeitpunkt abgefragt, mit Schularbeiten, Tests und mündlichen Prüfungen.

Ob dieses Wissen in anderen Bereichen – abseits von Prüfungen – angewendet wird, gar ob es von Bestand ist: Das war nicht Thema der Lehrpläne. Thomas Städtler – siehe den Artikel „Die Bildungs-Hochstapler“ – hat wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema analysiert und viele Beispiele für das Scheitern bloßer Wissensvermittlung dokumentiert. Der ungeheuren Stofffülle in den Lehrplänen stehen erschreckende Wissenslücken gegenüber. „Bulimielernen“ wurde zu einem bekannten Begriff dafür.

Kompetenz soll diese Fehlentwicklungen korrigieren.
„Von den Lernenden wird mehr Aktivität, Selbststeuerung und Eigenverantwortlichkeit im Lernprozess eingefordert. Lernen ist als aktiver Prozess zu sehen. Die Aufgabe der Lehrkräfte ist ebenfalls neu ausgerichtet: Sie werden zu  ‚Träger/innen’ von Wissen.“

So steht es im Grundlagenpapier „Kompetenzorientiertes Unterrichten“, das hier (bitte anklicken) heruntergeladen werden kann.

Vereinfachend gesagt geht es darum, dass der Fokus des Unterrichts in Zukunft darauf gerichtet werden soll, dass Schüler/innen ihr Wissen nicht nur auf eingeübte Fälle, sondern auch auf  andere, ähnliche Fälle übertragen können; dass sie imstande sind, sich fehlende Informationen aus Bibliotheken, in Gesprächen und, ja, auch aus dem Internet zu besorgen; dass sie eigene Lösungsansätze entwickeln; dass sie argumentieren und kooperieren können; dass sie Selbstvertrauen entwickeln und Engagement entwickeln. Sie sollen, im Sinne eines „erweiterten Lernbegriffs“, Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Selbstkompetenz entwickeln.

Kompetenz spielt außerdem noch im Versuch, die europäischen Schulabschlüsse vergleichbar zu machen, eine wichtige Rolle. Da die Bildungssysteme in der EU sehr unterschiedlich und in den nächsten Jahrzehnten kaum veränderbar oder vereinheitlichbar sind, können über den Umweg „Kompetenz“ zumindest die Fähigkeiten der Auszubildenden vergleichbar gemacht werden.

Die Fähigkeit, eine einfach Prozentrechnung („Wie viel Prozent sind 7 Kinder in einer Klasse von insgesamt 24 Kindern?“) zu lösen, ist eine staatenübergreifende Fähigkeit/Kompetenz, Vergleichbarkeit also gegeben, vermutlich besser als im Vergleich von Zeugnisnoten.

Mehr zum Begriff „Kompetenz“ finden Sie, auf 14 Seiten zusammengefasst, zum Beispiel hier:
http://www.bildungsserver-mv.de/download/material/text-lehmann-nieke.pdf

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