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Neue und alte Vorurteile: Stimmt’s?

17. Oktober 2011


Eine vergnügliche Seite, auf der mit wissenschaftlicher Energie mit vielen Vorurteilen aufgeräumt wird, findet sich unter www.zeit.de/stimmts. Seit 1997 widmet sich Christoph Drösser Fragen wie: „Hilft Schreien gegen Schmerz?“ Ja, vor allem, wenn es mit Fluchen verbunden ist.
„Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Wirbelsturm auslösen?“ Dieses beliebte Zitat stammt – in etwas geänderter Form – von dem Meteorologen Edward Lorenz. Er sprach ursprünglich vom Flügelschlag einer Möwe und wies darauf hin, dass Wettermodelle durch eine Winzigkeit zu anderen Ergebnissen führen. Ein Wirbelsturm findet vielleicht an einem anderen Ort statt. Aber noch so viele Schmetterlingsflügel verursachen keinen Wirbelsturm.
„Balanciert man Tassen besser, wenn man nicht draufschaut?“ Ja, denn unser Körper orientiert sich andernfalls an der Flüssigkeit, die zu schwappen beginnt. Dann halten wir das Schwappen für den festen Boden und beginnen selbst zu wackeln.
„Durften Katholiken früher in der Fastenzeit Biber essen?“ Ja, denn der Biber ist fast ein Fisch. Fische wiederum sind Kaltblütler, die durften Gläubige auch in der Fastenzeit essen. Das Konstanzer Konzil beschloss 1414, dass Biber, Dachs und Otter zu den Fischen gehören. Zumindest in der Fastenzeit. Daraufhin wurde die Fastenspeise so beliebt, dass sie beinahe ausgerottet wurde. Heute steht der Biber unter Naturschutz.
„Explodieren Ameisen, wenn sie Backpulver fressen?“ Nein, aber im Backpulver enthaltene Natron wirkt als mildes Gift, weil es den ph-Wert in ihrem Körper verändert.
„Muss man bei Erkältungen besonders viel trinken?“ Nein. Es gibt keine Untersuchungen, die belegen, dass Trinken den Kranken hilft. Das Gegenteil kann, zumindest in manchen Fällen, helfen. Manche Atemwegserkrankungen gehen einher mit der erhöhten Produktion eines Hor-mons, das die Ausscheidung über die Nieren reduziert. Wer nun viel trinkt, kann unter Umstän-den an Salzmangel leiden. Was der Gesundung nicht dienlich ist.
„Soll man Fleisch erst nach dem Braten salzen?“ Nein, es geht auch knapp vorher, denn auch die Geschichte mit den „Poren“, die sich angeblich beim schnellen Anbraten schließen sollen, ist ein Gerücht: Fleisch hat keine Poren. Allerdings sollte erst kurz vor dem Braten gesalzen werden, andernfalls tritt die Osmose ein: das Wasser im Fleisch tritt dorthin, wo das Salz liegt. Also außerhalb des Fleisches. Ein weiterer Tipp lautet: Wenn das Fleisch lange genug gesalzen ist, kommt es zu einem Ausgleich – die nun salzhaltige Flüssigkeit nimmt ihren Weg zurück ins Fleisch. Ungefähr 12 Stunden dauert das und viele Spitzenköche behaupten, dass das Fleisch dadurch zarter und saftiger wird.
„Soll man Schnittblumen schräg anschneiden?“ Man kann, aber für eine längere Haltbarkeit hat es keine Bedeutung. Die Zahl der offen gelegten Kanäle, mit dem Blumen Wasser aufnehmen, ist beim schrägen Schnitt gleich groß wie beim geraden.
„Beeinflusst die Weinglasform den Weingeschmack?“ Nur, wenn man sie sieht. In Blindtests konnte keine Beeinflussung festgestellt werden.
„Wachsen Haare nach dem Tod weiter?“ Nein, es sieht bloß so aus. Weil die Wangen toter Menschen einfallen und dadurch – bei Männern – die Bartstoppeln hervortreten.
„Sind Spülmaschinen ökologisch besser als das Spülen von Hand?“ Kommt darauf an. Im Test verbrauchte ein Proband immerhin 447 Liter Wasser. Im Vergleich zu einem modernen Geschirrspüler das etwa 30-fache – Maschinen benötigen etwa 15 Liter. Der Mann war allerdings eine Ausnahme, im Durchschnitt benötigten die händischen Geschirrspülerinnen und Geschirrspüler immerhin 46 Liter (Deutsche) bis 170 Liter (Spanier und Portugiesen). Das Problem sind aber die durchschnittliche Füllmenge und die Nebenkosten an Energie, die bei der Produktion der Geschirrspüler entstehen. Darüber konnte auch Christoph Drösser keine ergiebige Antwort finden.
Zum Schluss die Frage:
„Werden die Menschen immer intelligenter?“ Ja, zumindest in den Industrieländern und wenn es nur nach den Intelligenztests geht. Aber das hängt vermutlich mit der besseren Bildung und der Kenntnis von Intelligenztests zusammen. Auch nicht wirklich ermutigend.
Die Antworten saugt sich Christoph Drösser nicht aus den Fingern, sondern sie werden von Wissenschafter/innen gegeben und sind Ergebnisse ihrer Untersuchungen. „Stimmt’s?“ ist so zu einer Sammlung von Aussagen geworden, die manches lieb gewonnene Vorurteil vernichten.
Wie wäre es mit einer dieser Fragen zum Wochenauftakt in der Schule? – Übrigens: Wer eine Frage an Christoph Drösser hat, kann sie jederzeit an ihn richten.
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