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Interview mit Dr. Mag. Brigitte Stolz, Landesschulinspektorin in Tirol

10. Juni 2010

 

Sehr geehrte Frau Landesschulinspektorin Stolz, Sie sind seit dem 1. Dezember 2009 Landesschulinspektorin für die HUM-Schulen in Tirol.

  1. Wie sieht denn Ihr beruflicher Werdegang aus?
    Ich habe das Lehramt für Deutsch und Französisch und unterrichtete 17 Jahre lang an Handelsakademien, ein Jahr an einer AHS und neun Jahre an einer humanberuflichen Schule, der Villa Blanka in Innsbruck.
    Außerdem habe ich 15 Jahre in der Erwachsenenbildung und auch in der Privatwirtschaft gearbeitet. Im Jahr 2003 habe ich mein Doktoratsstudium mit den Schwerpunkten Schulqualität, Bildungsstandards und alternative Leistungsbeurteilung begonnen und im Rahmen meiner Dissertation das Praktikumssemester der Universität Innsbruck evaluiert und eine vergleichende Arbeit darüber an den vier Standorten Innsbruck, Salzburg, Graz und Wien gemacht.
  2. Bitte beschreiben Sie den HUM-Bereich, für den Sie seit Dezember 2009 als Inspektorin verantwortlich sind: wie viele Schulen, welche Schultypen gehören dazu und wie viele SchülerInnen und LehrerInnen sind an Ihren Schulen?Der HUM-Bereich ist sehr vielfältig und diese Besonderheit macht ihn für unsere Kunden, seien es die Schülerinnenund Schüler oder ihre Eltern sowie für die Abnehmer, die Wirtschaft, besonders attraktiv.
    Für mich verbindet der Humanbereich Wirtschaft mit Humanität, denn er vermittelt Wissen und Werte, Kennen und Können und Management und Service. Ich sehe ihn als Gebäude mit vier Säulen: eine davon sind die HLWs, eine andere die Tourismusschulen, dann die Bildungsanstalten und die vierte Säule im postsekundären Bereich sind unsere Kollegs. Dazu haben wir die dreijährigen Fachschulen und die Ausbildungslehrgänge, die den AbsolventInnen der dreijährigen Ausbildung ermöglichen, die Matura zu machen.
    Zu den Zahlen: Ich bin für 19 Schulen in Tirol zuständig, in meinem Bereich gibt es 814 Lehrerinnen und Lehrer und fast 6000 Schülerinnen und Schüler und damit doppelt so viele Eltern.
  3. Was sind Ihre pädagogischen Ziele? Mit welchen Visionen und Perspektiven treten Sie Ihr Amt an?
    Ich sehe mich als Koordinatorin und Coach. Die Landesschulinspektorin hat eine Brückenfunktion zwischen dem Ministerium als oberste Dienstbehörde und den Schulleiterinnen und Schulleitern. Was ich will, ist eine breite Kooperationsbasis schaffen für pädagogische Konzepte, auch für die Curriculumsarbeit. Ich möchte außerdem mehr Nähe und Kontakt zu den Lehrerinnen und Lehrern und möchte deswegen die Direktionen stark einbinden. Darüber hinaus ist es mir ein großes Anliegen, Freiräume für Entwicklungen zu schaffen und Schulen in ihrer Qualitätsarbeit zu unterstützen. Daher strebe ich eine offene Amtsführung an und möchte leicht erreichbar undserviceorientiert sein. Mein Ziel ist eine produktive Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern der Schulpartnerschaft. Denn Schule ist ein Dienstleistungsbetrieb.
  4. Wie wollen Sie das eigenständige und selbstverantwortliche Arbeiten der Schülerinnen und Schüler fördern?
    Ich habe vor, Lehrerinnen und Lehrer darin zu unterstützen, Konzepte zu erarbeiten und umzusetzen, die Schülerinnen und Schüler in ihrer eigenverantwortlichen Arbeit fördern sollen und ihnen dabei helfen, den Lernprozess selber zu steuern. Ich habe selber viele und gute Erfahrungen mit Portfolios, Lernjournalen und Freiarbeit gemacht und denke, dass damit Schülerinnen und Schüler wichtige Kompetenzen erwerben und für ihren eigenen Lernprozess Verantwortung übernehmen.
  5. Eine gute Fee erscheint und bietet Ihnen an, drei Dinge im österreichischen Schulsystem von heute auf morgen zu ändern: Wir sind neugierig – welche wären das denn?
    Ich würde mir vor allem mehr Mittel wünschen, um ehrenamtliche Arbeit und derzeit oft unbezahltes Engagement von idealistischen Lehrerinnen und Lehrern entsprechend entlohnen zu können. Mein zweiter Wunsch wäre ein gutes gemeinsames Dienstrecht für alle Lehrerinnen und Lehrer und ein dritter Wunsch wäre Offenheit in der Diskussion neuer Wege in unserem Schulsystem.

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Wordrap: Was fällt Ihnen zu diesen acht Begriffen ein?

  1. Neue Mittelschule
    Herausforderung, Heterogenität, mehr Chancen für die Kinder zwischen 10 und 14.
  1. Frontalunterricht
    Alter Zopf, doch als Ergänzung immer gut für Input vor der selbstständigen Arbeit.
  2. Pädagogische Hochschule
    Experimente, neue Wege in der LehrerInnenaus-, -fort- und -weiterbildung
  3. Medienkompetenz
    Future Learning Konzept des bm:ukk, der „Future Learning Day“ heuer im März an der PH Tirol. Es ist für mich sehr wichtig, dass die neuen Medien gewissenhaft als sinnvolle Ergänzung des Unterrichts genutzt werden.
  4. Schulferien
    Etwas sehr Schönes. Freiraum für Fortbildung. Ist für mich selber die beste Zeit für die eigene Fortbildung. Daher: Unterstützung der Sommerhochschule der PH Tirol.
  5. Finnland
    Tolle PISA-Ergebnisse – bei anderen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen als in Österreich. Jedoch: in Finnland beneidet man uns um die BMHS!
  6. Klippert
    Eine von vielen Möglichkeiten der Individualisierung des Unterrichts
  7. E-Learning
    Verlangt vom Lernenden viel Verantwortung und Kompetenzen im Selbstmanagement. „E-Learning-Kompakt“: Ein neues Ausbildungsangebot der Uni Innsbruck für Lehramtsstudierende seit Herbst 2009.

Frau Landesschulinspektorin, wir bedanken uns für das Interview!

Kontaktadresse:
Landesschulrat für Tirol
Mag. Dr. Brigitte Stolz
Telefon: +43 512 520 33 – 220
Mail: b.stolz(at)lsr-t.gv.at

Brigitte Stolz

Dr. Mag. Brigitte Stolz

Tags: 06 Qualität

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Berta // Apr 19, 2013 at 13:37

    Hallo Frau Dr. Stolz, sind Sie die LSI, die Kolleginnen klagt? Wenn nicht, sollten Sie das öffentlich klarstellen. Es wirft jedenfalls kein gutes Licht auf das Amt.

  • 2 Berta // Apr 19, 2013 at 13:40

    Alles klar … ;-)))

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