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Interessantes für Bildungsinteressierte

Nachhaltiges Lernen

15. Februar 2010

Thomas Stern hatte zum Thema Leistungsbeurteilung viel Interessantes zu sagen. Eine schlechte Nachricht zu Beurteilungen an sich und eine gute Nachricht. Weil es besser ist, sich zu steigern, zuerst die schlechte.

Lernschwächere Jugendliche entwickeln durch ihre Prüfungsangst ein schwächeres Selbstwertgefühl. Das Gefühl, eine „Niete“ zu sein, führt dazu, Erfolgserlebnisse anderer Art zu suchen. Etwa in Gewalt gegen Schwächere.

Ein logischer Vorgang, den der bekannte Zeichner Loriot schon in den 50-er Jahren gezeigt hat.
Der Vater bekommt von seinem Vorgesetzten einen Rüffel und kehrt schlecht gelaunt nach Hause.
Dort passt ihm das Essen seiner Frau nicht und er verlässt empört den Tisch.
Die Frau gibt ihren Ärger an den Sohn weiter und rügt ihn für seine schlechten Noten, eine Ohrfeige muss ein.
Und weil ein kleiner Hund im Haus ist, schlägt das Kind den Dackel.

Arm die Kinder, die keinen Hund haben – liebe Tierschützerinnen und Tierschützer, bitte ignorieren Sie diesen Satz!

Die gute Nachricht klang zuerst nicht wirklich gut.
Eine englische Studie untersuchte vor zehn Jahren hunderte bereits vorhandene Studien zum Thema Lernerfolg. Eine Metastudie also, deren Ergebnis lautete: Neue Unterrichtsformen wie Projektarbeit, Exkursionen, Auslandsaufenthalte und anderes brachten zwar mehr Motivation und Lernfreude bei Schülerinnen und Schülern, allerdings keine messbare Leistungssteigerung.

Na immerhin, mögen sich manche denken: ein guter Ansatz!

Allerdings gab es ein noch besseres Ergebnis: die „formative Leistungsbewertung“ stellte sich als allgemein leistungssteigernd heraus. „Formative Leistungsbewertung“ meint eine Überprüfung des Wissens vor dem Abschluss eines Themas. Kombiniert mit einer gezielten Rückmeldung an die Schülerin oder den Schüler.

Thomas Stern hatte noch andere interessante Ergebnisse zur Verfügung, etwa jene der PISA-Studie. Da wurden die Mathematikkenntnisse von 5.000 österreichischen Schülerinnen und Schülern getestet. Es kam zu dem interessanten Ergebnis, dass ein Viertel der Hauptschülerinnen und Hauptschüler in der 3. Leistungsgruppe mit einer Note von Drei bis Fünf vergleichbar ist mit dem schlechtesten Viertel in der AHS, die dort ein Sehr gut im gleichen Gegenstand haben.

„Die Notenskalen in der Schule“, sagt Thomas Stern am Ende seines Referates, „sind in Wirklichkeit nicht vergleichbar. Vielleicht sollte man seine pädagogischen Anstrengungen auf etwas anderes legen als auf das Aussondern von Schülerinnen und Schülern.“

Die Broschüre „Förderliche Leistungsbewertung steht hier zum Download bereit:
http://www.bmukk.gv.at/medienpool/17212/mat_stern.pdf

Tags: 06 Qualität

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