magazin24.info

Interessantes für Bildungsinteressierte

Ohne Titel: Hum-Kongress in St. Johann im Pongau

15. Februar 2010

Für drei Tage, vom 1. bis zum 3. Dezember 2009, war St. Johann im Pongau das Zentrum der höheren Land- und forstwirtschaftlichen Schulen und des humanberuflichen Schulwesens, kurz HUM genannt. Das Spektrum reicht von den Schulen für wirtschaftliche Berufe über Tourismus- und Modeschulen bis hin zu den Sozialschulen.

So bunt wie diese Palette war das Programm des Kongresses, der den Titel „Ohne Titel“ trug. Offenheit statt Enge, Kreativität statt Einöde, Vielfalt statt Einfalt – ein Spiegelbild der schulischen HUM-Wirklichkeit.

Karikatur: Michael EignerAm ersten Tag standen Arbeitskreise im Mittelpunkt, am zweiten folgten Erkenntnisse darüber, wie Schule aussehen könnte. Reinhard Kahl, bekannter Bildungspolitiker und engagierter Reformer, stellte Beispiele vor, in denen Jugendliche selbständig und intensiv arbeiten. Für die meisten österreichischen Lehrerinnen und Lehrer kaum zu glauben, wie etwa räumliche Verhältnisse das Schulleben erleichtern und angenehm gestalten können.

Dazu gehört ein neues Verständnis von Bildungsarbeit. „Aus Fehlern lernt man“, meint Reinhard Kahl und verweist darauf, dass gerade dieses wichtige „Fehlermachen“ in der Schule oft verboten ist.

Stellen Sie sich vor, Sie lehren ein Kind das Gehen, wie es später unterrichtet wird. Sie erklären ihm den Vorgang theoretisch, dass es zuerst das eine Bein, dann das andere heben und aufsetzen soll. Dazwischen muss es das erhobene Bein vorwärts bewegen, gerade so weit, dass der Fuß zirka eine Fußlänge vor den anderen gelangt. Und danach soll das Kind dasselbe mit dem anderen Bein machen. Dieses Kind wird nie gehen lernen.

Seine Befürchtung machte er mit einem anderen Beispiel deutlich. In einem Seminar teilte er an die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer – keine MathematikerInnen! – ein leeres A4-Blatt aus. Darauf sollten alle mathematischen Formeln notiert werden, die im Leben nach der Matura eine Rolle spielten.

„Es hätte“, sagte Reinhard Kahl, „auch ein Bierdeckel für die Formeln gereicht. Das Schlimme daran ist, dass am nächsten Tag wahrscheinlich genauso weiter unterrichtet wurde wie vorher und keine Rückschlüsse auf das eigene Verhalten gezogen wurden.“

Prominentester Gast der Veranstaltung war Bundesministerin Claudia Schmied – gemäß dem Kongressmotto „Ohne Titel“ als Frau Schmied anzusprechen, was manchen Teilnehmern schwer fiel. Die Ministerin stellte sich eine Stunde lang kritischen Fragen und war von der produktiven Atmosphäre begeistert.

„Ich spüre eine sehr positive Energie, das ist ein gutes Zeichen“, meinte sie. Und war zuversichtlich, dass diese in den Schulen ankommen wird!

Karikatur:
Michael Eigner

<el>

Tags: 06 Qualität

0 Antworten bis jetzt ↓

  • Es gibt keine Kommentare bis jetzt...

Hinterlasse ein Kommentar